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Beim Heizöl geschummelt

LÜNEN Der Betrug ist eindeutig belegt worden. Ein Heizöllieferant hat mehr berechnet als er geliefert hatte – und das wahrscheinlich nicht zum ersten Mal.

von Von Dieter Hirsch

, 14.11.2007

Dagegen konnte nicht ganz eindeutig – zumindest nicht für Richterin Beatrix Pöppinghaus – geklärt werden, wer der Betrüger war, „auch wenn einiges auf den Angeklagten deutet“, so die Richterin.

"Keine Auffälligkeiten beobachtet"

Der Angeklagte ist Fahrer des Ölliefer-Unternehmens. Er weist aber alle Schuld von sich und erklärt, er wüsste von nichts. Alles sei bei dieser Lieferung so wie immer gelaufen. Auffälligkeiten habe er nicht beobachtet. Vielleicht stecken die Geschäftsführer des Unternehmens dahinter? Sie leben im Ausland und kommen nur zweimal im Jahr nach Lünen, um nach dem Rechten zu sehen.

Bandenmäßiger Betrug?

Vielleicht aber auch alle zusammen, was nach Ansicht des Staatsanwaltes bandenmäßiger Betrug wäre und ein ganz anderes Strafmaß nach sich zöge. Für ihn stehe zweifelsfrei fest, dass der Fahrer mit drin hänge. Der Fahrer hatte im September letzten Jahres einem Kunden Heizöl geliefert. Der Kunde hatte – von Erfahrungen der Nachbarn mit dem Lieferanten beunruhigt – vorher den Ölstand in seinem Tank nachgemessen und dann berechnet, wie viel Heizöl noch in den Tank passt.

650 Liter Öl

Als die Rechnung kam, wurden seine Zweifel bestätigt. Die Rechnung weist rund 650 Liter Öl mehr aus, als nach seinen Berechnungen in den Tank passten. Seine Berechnungen wurden von einem unabhängigen Gutachter auch vor Gericht bestätigt.Wusste der angeklagte Fahrer von den Manipulationen? War er selber der Täter?

Manipulationsmöglichkeiten

Der Gutachter nannte Manipulationsmöglichkeiten:  1. Vor der Lieferung wird Öl abgepumpt, die Zähluhr aber nicht auf 0 zurückgestellt.  2. Luft wird eingedüst und mitberechnet.  3. Es wird ein elektronisches Steuergerät eingebaut, das nicht vom Eichamt nachgewiesen werden kann. Wird dieses Gerät aktiviert, z.B. per Fernbedienung, zählt die Uhr schneller und zeigt damit mehr Öl an, als tatsächlich durchgeflossen ist.

Fahrer muss aktiv mitwirken

In all diesen Fällen, so argumentiert der Staatsanwalt, muss der Fahrer aktiv an der Manipulation mitwirken. Der Gutachter erklärte, dass solche Steuergeräte auch eingebaut und auf Dauerbetrieb geschaltet werden können. In diesem Fall sei es möglich, dass der Fahrer nichts von den Manipulationen gewusst habe. Und genau diese Möglichkeit „stört“ die Richterin. Sie sei nicht auszuschließen. Deshalb wolle sie die Firmeninhaber vorladen. Wo sie wohnen, wollte der Angeklagte nicht sagen. „Wenn Sie ein reines Gewissen hätten, würden Sie mir das sagen“, so die Richterin. Der Prozess wird fortgesetzt.

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