Lidl macht Schweinefleisch wieder billiger

Discounter

Lidl hatte im Dezember einen Preisaufschlag für Schweinefleisch aus deutscher Produktion eingeführt - doch das war Verbrauchern zu teuer. Die Schweinebauern stehen dadurch unter Druck.

von Anne Grüneberg

, 06.02.2021, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lidl verkauft das Schweinefleisch wieder teurer.

Lidl verkauft das Schweinefleisch wieder teurer. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Ein Versuch der Annäherung zwischen Lebensmitteleinzelhandel und Landwirten ist gescheitert: Erst im Dezember hatte der Discounter Lidl den Preis für Schweinefleisch aus deutscher Produktion pauschal um einen Euro pro Kilogramm angehoben, um die schwer unter Druck stehenden deutschen Schweinebauern zu unterstützen.

Doch nach nicht mal zwei Monaten hat Lidl die Aktion nun wieder eingestellt. Der Grund: Der Discounter war mit den neuen Preisen nicht wettbewerbsfähig. Große Konkurrenten hatten die Preise auf dem alten Niveau belassen. „Die Entwicklung der vergangenen Wochen hat gezeigt, dass der Markt unserem Preissignal nicht gefolgt ist“, teilte Lidl mit. „Dadurch ist uns ein erheblicher Wettbewerbsnachteil entstanden.“ Für Lidl sei es nicht möglich, die Preise dauerhaft und allein auf diesem höheren Niveau zu halten.

Bauern blockierten Lager von Aldi und Lidl

„Offenbar sind die Verbraucher nicht bereit, mehr Geld für deutsche Tierhaltung auszugeben“, kommentiert Dirk Andresen. Er ist Schweinebauer in Schleswig-Holstein und Sprecher des Bündnisses Land schafft Verbindung, das Ende vergangenen Jahres mit großen Bauernprotestaktionen aufgefallen war. Die Landwirte wollten durch ihre Aktionen auf die Dumpingpreise und die Marktmacht der großen Lebensmittelketten aufmerksam machen. Dabei wurden auch Zentrallager von Aldi und Lidl blockiert.

Vor allem die Schweinebauern stehen derzeit wegen der extrem niedrigen Preise unter Druck. Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (Ami) liegt der empfohlene Preis für ein Schlachtschwein derzeit bei 1,19 Euro pro Kilogramm. „Dafür kann kein Landwirt kostendeckend Schweine produzieren. Die Bauern legen derzeit bei jedem Tier drauf“, sagt Tim Koch, Marktexperte für Fleischwirtschaft. Noch im März hatte der Preis für ein Kilogramm Schlachtschwein bei hohen 2 Euro gelegen.

Afrikanische Schweinepest verhindert Export

Der niedrige Preis ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. „Zum einen haben viele Drittländer den Import von deutschem Schweinefleisch gestoppt, als im Spätsommer hierzulande die Afrikanische Schweinepest aufgetreten ist. Vor allem China importiert sonst große Mengen Schweinefleisch aus Deutschland“, erklärt Koch.

Außerdem sei auch hier Corona ein Faktor. Denn durch den Lockdown falle viel Außer-Haus-Geschäft weg. „Vor allem auf dem Weihnachtsmarkt oder im Fußballstadion gehört sonst für viele eine Bratwurst dazu“, so Koch. Zudem habe es durch die Corona-Sicherheitsmaßnahmen und die Ausbrüche in vielen Schlachthöfen weniger Kapazitäten gegeben. „Das hat zu einer rückläufigen Nachfrage nach Schlachtschweinen und damit zu Preisdruck geführt.“

Bauernverband will „Deutschland-Bonus“

Bei den niedrigen Preisen und den hohen Auflagen in Deutschland, lohne sich die Tierhaltung für viele deutsche Bauern nicht mehr, sagt Bündnissprecher Andresen und führt ein Beispiel aus der Sauenhaltung an. So müssten die Sauenstände in Deutschland wegen der hiesigen Gesetze fast doppelt so groß sein wie im Nachbarland Dänemark. Das dadurch ein Kostennachteil entsteht, läge auf der Hand. „Wenn man eine Tierhaltung in Deutschland will, dann muss man auch dafür bezahlen“, fasst er zusammen. Die Landwirte müssten deshalb zusammen mit dem Lebensmitteleinzelhandel neue Ideen und Strategien entwickeln.

Der Bauernverband hat bereits einen sogenannten Deutschland-Bonus vorgeschlagen, der „fest vereinbart wird und bei dem die hohen heimischen Produktionsstandards sichtbar und honoriert werden“, erklärt Verbandsgeneralsekretär Bernhard Krüsken. Gespräche mit allen Beteiligten dazu liefen bereits. Kurzfristige Aktionen wie die von Lidl brächten nichts. Stattdessen braucht es laut Krüsken „langfristige, belastbare Vereinbarungen mit dem Lebensmittelhandel“.

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