Drogen im Keuningpark Dortmund: Das sagt der Leiter der Polizeiwache Nord

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Drogendealer im Keuningpark sind ein alltäglicher Anblick in Dortmund. „Der Park ist aber keine Insel, sondern Teil eines Geflechts“, sagt Detlef Rath. Und erklärt, warum das so ist.

Nordstadt

, 01.11.2019, 17:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Beschwerden von Anwohnern und Kitas, Kita-Mitarbeiterinnen, die die Zäune kontrollieren müssen: Dass im Keuningpark gedealt wird, ist dem ersten Polizeihauptkommissar (EPHK) Detlef Rath nicht neu. Der 54-Jährige leitet seit über sieben Jahren die Polizeiwache Nord an der Münsterstraße. Und er sagt: „Es vergeht kein Tag ohne einen Einsatz dort.“

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Er sagt aber auch: „Der Park ist nur einer von mehreren Bereichen, in denen wir tätig sind. Und wir sind engagiert und gut unterwegs.“ Ob Münsterstraße oder Borsigplatz, Nordmarkt oder Keuningpark: Das gesamte Umfeld, in dem die sogenannte BTM-, also Betäubungsmittel-Szene agiert, ist für die Polizei relevant.

Der Keuningpark ist breit und offen angelegt - eine ideale Schleuse

Der Keuningpark ist allein von seiner Lage her für all diejenigen, die vom Bahnhof aus in Richtung Nordstadt unterwegs sind, eine ideale Schleuse. Das Gelände ist außerdem nach allen Seiten hin breit und offen - schließlich waren der Park und das dort liegende Dietrich-Keuning-Haus von Anfang an als Begegnungszentrum geplant. Eigentlich ein guter Grundgedanke.

Dass sich dort auch diejenigen begegnen, die kein Interesse an Familienpicknicks und kulturellen Veranstaltungen haben, ist dann unausweichlich: „Drogenverkäufer suchen die Anonymität der Großstadt. Sie nutzen diese Wege. Von dort aus kann man schnell fliehen, ist schnell in der U-Bahn“, weiß der Hauptkommissar.

Die Dealer legen mitunter regelrechte Bunkerplätze an, damit sie nicht mit dem „Stoff“ erwischt werden. Hinter Büschen, an Zäunen. Und sie können schon von weitem erkennen, ob jemand ein potentieller „Kunde“ ist. Den Park zu sperren, und sei es nur nachts, ist für die Polizei allerdings keine gute Option. „Es ist wichtig, dass der Park belebt bleibt. Je mehr positive Nutzung durch normale Bürger das Gelände erfährt, umso besser“, glaubt Detlef Rath.

Manche Orte sind „Toplagen“ für Drogendealer

Auch andere Orte, wie beispielsweise die Straßen rund um den Borsigplatz, seien ein beliebtes Dealer-Revier. „Das ist eine Top-Lage, wie ein Schuhgeschäft am Westenhellweg“, sagt Polizeipressesprecher Peter Bandermann. Von der Autobahn aus ist man schnell da - und eben auch schnell wieder weg. Nur einmal kurz im Kreis gefahren.

Gedealt wird vor allem mit Marihuana und Kokain. Denn der Markt ist da: Junge Erwachsene, die sich fürs Wochenende eindecken wollen, Partygänger, aber auch gutverdienende Ältere. „Für Kokain braucht man ja schon ein wenig Geld“, sagt Rath.

Drogen im Keuningpark Dortmund: Das sagt der Leiter der Polizeiwache Nord

Die Polizeiwache Nord im Einsatz. „Wir sind ständig präsent“, sagt Leiter Detlef Rath. © Peter Bandermann (Archiv)

„Wir sind ständig präsent, weil wir um das Problem wissen“, sagt Detlef Rath. Zwischen dem 1. Mai und dem 21. Oktober haben die rund 130 Einsatzkräfte der Wache Nord allein 400 Einsätze im Keuningpark gehabt. Und das sind nur diejenigen, die „auf Anruf“ erfolgen.

Der Wachdienst, die zivilen Einsatztrupps und die Sondereinheit Schwerpunktdienst, die oft mit Ordnungspartnern der Stadt gemeinsam unterwegs ist, kommen zusammen auf noch einmal so viele „Routine“-Einsätze in diesem Bereich.

Dabei spielten allerdings nicht immer Drogen eine Rolle, wie Rath und Bandermann betonen. „Hier gibt es alles, von Ruhestörung über Beleidigung bis hin zu Beschaffungskriminalität und Verkehrsdelikten.“

Viele der Kontrollierten leben gar nicht in Dortmund

Was auffällt: Rund zwei Drittel der Kontrollierten, häufig Nordafrikaner, leben gar nicht in Dortmund. „Bei den Kontrollen stellen wir schnell fest: Die Leute wohnen nicht hier, nutzen Dortmund aber für ihren Aktionsradius“, sagt Rath. Damit hat die Polizei allerdings eine Handhabe: Dealer mit räumlichen Beschränkungen verstoßen gegen das Asylgesetz.

Detlef Rath hat in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass die enge Zusammenarbeit mit anderen Akteuren (Zoll, Ordnungsamt, Staatsanwaltschaft, Finanzbehörden) die Situation verbessert habe - auch wenn die Zahl der Straftaten, vor allem im Drogenbereich, nicht zurückgegangen sei. „Viele Feststellungsdelikte sind ein Abbild unserer Aktivität: Wir kontrollieren viel, sind rund um die Uhr da.“

Und er betont, dass sich der Stadtteil auch positiv gewandelt habe. „Es gibt viele gute Projekte, und die Nordstadt ist auch ein lebenswerter Stadtteil geworden.“ Es sei eine sehr interessante Mischung. „So wie es ist, können wir die Delikte eindämmen, aber nicht komplett verhindern. Ich sage nicht, dass das alles schön ist. Aber man lernt, Dinge richtig einzuschätzen. Dann gehen auch viele Ängste verloren.“

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