Lebensmittelallergie: Wie entsteht sie, was können Betroffene tun?

dzFragen und Antworten

Viele Menschen in Deutschland haben eine Lebensmittelallergie. Doch was bedeutet das eigentlich genau und was kann man tun? Eine Heilpraktikerin aus Nordkirchen erklärt es.

Nordkirchen, Werne

, 20.06.2020, 15:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Blähungen oder Durchfall sind einige der Beschwerden, die Menschen haben können, die unter einer Lebensmittelallergie leiden. Es gibt sogar den Deutschen Lebensmittelallergie-Tag, er findet am 21. Juni statt. Doch was bedeutet es eigentlich, eine Lebensmittelallergie zu haben und was können Betroffene tun? Fragen und Antworten zum Thema.

? Wie viele Menschen in Deutschland leiden eigentlich unter einer Lebensmittelallergie?

Gar nicht so wenige. Laut einer Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind drei bis vier Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Das bedeutet 2,5 bis 3 Millionen Menschen in Deutschland.

? Ist eine Lebensmittelallergie denn dasselbe wie eine Lebensmittelunverträglichkeit?

Nein. „Bei einer Unverträglichkeit ist das Immunsystem anders als bei einer Allergie nicht beteiligt“, erklärt Heike Boz, die in Capelle lebt und seit 16 Jahren eine Heilpraktiker-Praxis in Werne betreibt. Bei einer Unverträglichkeit von Milch zum Beispiel fehle ein bestimmtes Enzym, dadurch kann der Milchzucker (Laktose) nicht aufgespaltet werden. Wer eine Unverträglichkeit hat, sollte dann entweder auf Milch verzichten, oder sich mit der Zugabe von Tabletten helfen, die ein künstliches Laktose-Enzym enthalten. Die Menge mache das Gift. Wer aber eine Allergie hat, dem wird das nicht helfen. „Bei einer Allergie ist das ganze Immunsystem hochgefahren“, erklärt Boz. „80 Prozent der Immunzellen sitzen im Darm und die müssen jedes Mal entscheiden, ob ein Stoff gefährlich ist“, so die Heilpraktikerin. Im Falle von Allergien arbeitet das Immunsystem also gegen den Stoff, auf den es allergisch reagiert.

Und wie entsteht die Allergie?

Das könne zum Beispiel dadurch entstehen, dass das Immunsystem schon im Kindesalter nicht richtig lerne, auf welche Stoffe es mit einer Abwehrreaktion reagieren muss und welche ungefährlich sind. Die Heilpraktikerin sieht dafür zum Beispiel zu frühes Abstillen, Babymilch aus der Dose oder auch Antibiotika als mögliche Risikofaktoren. Später könne zum Beispiel Stress oder auch eine falsche Ernährung (zum Beispiel durch Fast Food oder viel industriell verarbeitetes Essen) die Allergien begünstigen. Stress alleine zum Beispiel könne den Darm durchlässiger machen und so das Allergiepotenzial erhöhen.

Welche Stoffe lösen besonders häufig Lebensmittelallergien aus?

Laut Bundesernährungsministerium gibt sind es vor allen Dingen 14 Gruppen von Lebensmitteln, die besonders häufig vorkommen. Sie lösen mit 90 Prozent den größten Teil der Allergien und Unverträglichkeiten aus. Sie gelten somit als Hauptallergene und müssen auch auf Verpackungen angegeben sein. Dazu gehören zum Beispiel glutenhaltiges Getreide, Eier, Milch, Fisch, Soja oder Nüsse.

Heike Boz kommt aus Capelle und hat eine Heilpraktiker-Praxis in Werne.

Heike Boz kommt aus Capelle und hat eine Heilpraktiker-Praxis in Werne. © Sabine Geschwinder

Welche Symptome gibt es?

„Man könnte vermuten, dass sich eine Lebensmittelallergie ausschließlich im Magen-Darm-Trakt abspielt“, sagt Heike Boz. Das müsse aber nicht so sein. Die Symptome können sich ganz vielfältig äußern. Von Neurodermitis, unruhigem Schlaf bei Babys über Kopfschmerzen oder auch Verhaltensstörungen bei Kindern, bis hin zu chronischer Müdigkeit, Depressionen, Migräne bei Erwachsenen.

Was kann man tun, wenn man glaubt, eine Lebensmittelallergie zu haben?

Zunächst wird getestet, ob wirklich eine Sensibilisierung vorliegt. Das kann zum Beispiel durch eine Blut- oder Stuhlprobe gemacht werden. Es gibt aber auch Tests auf der Haut. Heilpraktiker, wie Heike Boz beraten und therapieren zu dem Thema. Es gibt Ärzte, die sich auf Ernährungsmedizin spezialisiert haben.

Und was ist, wenn klar ist, dass ich so eine Allergie habe?

Nicht bei allen Lebensmitteln, wo durch den Test eine erhöhte Sensibilisierung angezeigt wird, muss auch zwingend eine Allergie vorliegen, sagt Heike Boz. Das macht es auch so kompliziert. „Es ist jedes Mal eine Detektiv-Arbeit. Das finde ich persönlich sehr spannend“, sagt sie. Das bedeutet konkret, dass anschließend weitere Gespräche stattfinden und die Patienten ein ausführliches Ernährungstagebuch führen. Zunächst, in dem sie wie gewohnt essen und danach, wenn sie verdächtige Lebensmittel aussetzen. Danach kann eine Ernährungsumstellung folgen. Die Heilpraktikerin integriert häufig auch eine sogenannte mikrobiologische Therapie - eine Behandlung mit Mikroorganismen, die das Milieu im Darm wieder günstig beeinflussen sollen.

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