Lang Lang und Daniel Barenboim begeisterten in Essen

ESSEN "Nur Lang Lang" langt dem Klavier-Festival Ruhr nicht mehr. Das gab es schon in früheren Jahren, in kleineren Sälen als der Philharmonie Essen, als der Chinese noch nicht als Super- und Medienstar in den Klassik-Olymp geschossen war.

von Von Julia Gaß

, 25.07.2008, 17:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lang Lang und Daniel Barenboim ? das war ein Gipfeltreffen zweier sehr gegensätzlicher Tastenstars.

Lang Lang und Daniel Barenboim ? das war ein Gipfeltreffen zweier sehr gegensätzlicher Tastenstars.

Ein seltenes Zusammentreffen von dem gerade 26 Jahre alt gewordenen Chinesen und seinem 40 Jahre älteren Mentor, Vorbild und Freund Daniel Barenboim begeisterte an zwei Abenden 4000 Besucher in Essen.

Es war ein Gipfeltreffen der besonderen Art. - Auch, wenn es Klavierduos gibt, die sich ausschließlich dem vierhändigem Repertoire widmen und zwangsläufig besser harmonieren. Lang Lang und Barenboim, den emotionalen Antipoden auf dem Podium, kam es offenbar weniger auf Darstellung von Seelenverwandtschaften an als um ein gegenseitig inspirierendes Spiel.

Tasten-Casanova Da war der abgeklärte, fast gestenlose Souverän Barenboim, der Denker dieses Duos, der Dirigent, der auch als Pianist in Ravels "Ma mère l'oye" Klänge ordnete und in dem vierhändigen Werk auch Herr der Pedale war. Schade, dass das Duo das zarte, empfindliche Werk in der Hustenhauptstadt Essen spielen musste.

Und da ist der gefühlsbetonte, mit viel Emphase musizierende Lang Lang, der mit einer brillanten Technik ausgestattet ist, für den Liszts Don Giovanni-Reminiszenzen an zwei Klavieren aber auch Klaviererziehung waren. In den Paraphrasen über das "Reich mir die Hand mein Leben"-Duett war Barenboim der Don Giovanni und Lang Lang die Zerlina - im Herzen war jedoch der Chinese der Tasten-Casanova, der Pianist, der das Publikum verführte.Konzert-Novizen

So spektakulär wie der Rummel um Lang Lang war seine Leistung am Donnerstagabend auch nicht in Bartoks Sonate für zwei Klaviere und zwei Schlagzeuger. Da hat es beim Klavier-Festival beeindruckendere Konzerte gegeben. Ohne Sichtkontakt untereinander, mit dem Rücken zum Saal und die Schlagzeuger (Torsten Schönefeld und Dominic Oelze) im Blick, bauten die Pianisten Bartoks quadrophone Klänge auf. Lang Lang war hier mehr als der besonnene Barenboim der dritte Percussionist, ein mit großen Emotionen rhythmisches Feuer entfachender Musiker. Das wirkt auch auf das Publikum, das selten Bartok hört, mitreißend.

Die vielen Klassik-Novizen, die die Kameras im Saal blitzen ließen, bekamen mit der Mozart-Zugabe ihr Bonbon. Und da war dann wunderschön zu hören, wie gut die Pianisten harmonieren können, wie gefühlvoll sie sich die Melodien zuspielten. - Fast ein seelenverwandt.

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