Spielzeugeisenbahn statt Ratssitzung: Dorf jagt faulen Bürgermeister aus dem Amt

dzPosse im Münsterland

Eine Gemeinde im Münsterland hat ihren Bürgermeister abgewählt. Eingebrockt hatte ihm dies seine extrem ungewöhnliche Amtsführung. Eine Posse, die ihresgleichen sucht.

Laer

, 14.11.2019, 15:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Laer ist ein kleiner Ort im Kreis Steinfurt, 6800 Einwohner, ein ländliches Dorf im Münsterland. Bodenständig, jahrhundertealte Schützen-Tradition, ein Sportverein und ein Museum für Holzschuhe, Holsken, wie man hier auf Plattdetsch sagt. Das klingt nicht nach Revolution und Aufstand. Und doch hat dieses Dorf jetzt seinen parteilosen Bürgermeister Peter Maier aus dem Amt gejagt.

Bei der Abstimmung am 10. November stimmten 60 Prozent dafür, dass der 56-jährige Peter Maier nicht länger ihr Bürgermeister sein soll. Zuvor hatte bereits der Rat der Gemeinde mit einer Zweidrittelmehrheit für die Abwahl gestimmt und damit den Weg zu der Abstimmung frei gemacht.

Nur mit Adolf Sauerland vergleichbar

Ein in Nordrhein-Westfalen beispielloser Vorgang, wie der Städte- und Gemeindebund auf Anfrage bestätigte. Bisher habe es nur einen einzigen vergleichbaren Fall gegeben: die Abwahl des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland 2012 nach der Love-Parade-Katastrophe.

Ein vergleichbares Unglück hatte es in Laer nicht gegeben, keine Toten und Verletzten. Und doch ist das, was der gelernte Bau- und Wirtschaftsingenieur Peter Maier seit seiner Wahl 2015 als Bürgermeister in Laer anrichtete, in den Augen seiner Kritiker ebenfalls katastrophal. Die Liste der Vorwürfe liest sich wie aus dem Handbuch „Was ein Bürgermeister nicht tun sollte“.

„Große Klappe, nix dahinter“

14 der 20 Mitglieder im Laerer Gemeinderat hatten im Vorfeld aufgelistet, was sie bei Bürgermeister Peter Maier, der 2015 aus dem fränkischen Höchstadt nach Laer kam, vermissen: Kompetenz, Ehrlichkeit, Pflichtbewusstsein und Anstand.

Auf ihrer eigens eingerichteten Internetseite bringen es die Kritiker so auf den Punkt: „Große Klappe, nix dahinter“ und fahren fort: „Das einzige, was Herr Maier in Laer selbst und ohne Probleme aufgebaut hat, ist die Spielzeugeisenbahn in seinem Büro und der einzige ,Dampf im Rathaus‘ kommt aus deren Lokomotive.“

Lieber Auto poliert als Wichtiges erledigt

Er schwänze wichtige Sitzungen, poliere stattdessen auf dem Rathaus-Parkplatz sein Auto und schaue in seinem Büro lieber Videos statt sich mit Sachfragen vertraut zu machen. Und wer Kritik übe, werde beschimpft, öffentlich diffamiert und mit Dienstaufsichtsbeschwerden eingeschüchtert. Sein Fehlverhalten schade dem Ansehen der Gemeinde, weil er seinem Amt einfach nicht gewachsen sei.

Peter Maier wies die Vorwürfe immer wieder zurück und pochte darauf, dass er viel für Laer erreicht habe. Seine Kritiker entgegneten, Gutes sei nicht wegen, sondern trotz des Bürgermeisters gelungen. Die meisten Wähler in Laer sahen es genauso.

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Peter Maier sagt nichts

Peter Maier selbst wollte sich gegenüber unserer Redaktion nicht äußern. Nach seiner Abwahl räumte er sein Büro und wies seine Sekretärin an, alle Medienanfragen abzuweisen.

Seine Kritiker sind mit der Abwahl jedenfalls zufrieden. Jetzt könne Peter Maier in seinem heimischen Wohnzimmer seine Spielzeugeisenbahn aufbauen und Videos schauen.

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