Kurz vor Haftentlassung: Gelsenkirchener wegen Konto-Betruges erneut angeklagt

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Die eine Strafe kaum abgesessen, steht ein Mann aus Gelsenkirchen schon wieder vor Gericht. Diesmal geht es um Sozialbetrug, Falschgeld und Konto-Betrug.

Essen

, 02.06.2020, 20:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Da hat sich ein 29-jähriger Mann aus Gelsenkirchen wohl zu früh gefreut. Nach einem Jahr im Gefängnis hätte jetzt eigentlich die Entlassung angestanden. Doch daraus wird nichts. Es gibt neue Vorwürfe. Diesmal geht es um illegale Untervermietung, Falschgeld und Überweisungs-Betrug.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Angeklagte sein Bank-Konto einer Betrüger-Bande zur Verfügung gestellt hat, die sich darauf spezialisiert hat, Überweisungsträger zu fälschen.

Auf dem Konto des Angeklagten sollen reihenweise Gutschriften eingegangen sein – allein 4500 Euro in drei Tagen. Das Geld kam von völlig ahnungslosen Bankkunden, deren Konten plötzlich Minus-Beträge aufwiesen. Meist waren es um die 450 Euro, die fehlten.

Illegale Geschäfte mit „Blüten“

Im Prozess vor dem Essener Landgericht geht es seit Dienstag außerdem um Falschgeld im Nennwert von 1600 Euro. Der Angeklagte soll die „Blüten“ für 200 echte Euro angekauft und unters Volk gebracht haben. Und dann ist da noch die Sache mit seiner vom Amt bezahlten Wohnung. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der 29-Jährige die Räumlichkeiten in Gelsenkirchen heimlich untervermietet hat – was er jedoch bestreitet.

Es sei zwar richtig, dass andere Personen in seiner Wohnung übernachtet hätten. Doch das sei nur vorübergehend und ein Freundschaftsdienst gewesen. „Ich habe keinen Vertrag gemacht und auch keine Miete genommen“, so der Angeklagte.

Bei einer Polizeikontrolle hatten die angeblichen Freunde allerdings etwas ganz anderes zu Protokoll gegeben. Da war nicht nur von Miete, sondern auch von Nebenkosten-Forderungen die Rede.

Sechs Monate lang untergetaucht

Der Angeklagte war 2018 wegen anderer Straftaten zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Als er kurz vor Weihnachten 2018 in den offenen Vollzug kam und nur noch zum Schlafen ins Gefängnis musste, hatte er die Gelegenheit sofort zur Flucht genutzt. Sechs Monate war er untergetaucht, dann will er sich nach eigenen Angaben selbst gestellt haben. „Mein Sohn hatte Geburtstag“, sagte er den Richtern.

Im aktuellen Prozess erwartet ihn eine weitere mehrjährige Haftstrafe. Die Richter hatten angeboten, bei einem Geständnis drei bis knapp vier Jahre Haft zu verhängen. Das hat der Angeklagte jedoch abgelehnt.

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