Diese Netflix-Serie hat das Zeug für einen Film-Marathon im Wohnzimmer

dzStreaming-Kritik

„Narcos Mexico“ ist eine neue Netflix-Serie, die einen Sog entwickelt und grandios erzählt ist. Und sie hat sogar Vorteile gegenüber einem Kinofilm.

25.03.2020, 15:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn von einem gescheiterten Staat die Rede ist, denkt man an Libyen oder Somalia, nicht an Mexiko.

Und doch: In der Sichtweise der Netflix-Serie „Narcos Mexico“ zählt das Land dazu – die staatlichen Strukturen sind vorhanden, sie funktionieren aber nicht. Justiz, Polizei und Politik stehen im Sold des Verbrechens, lautet die wenig schmeichelhafte Analyse dieser Serie, ein Ableger der Netflix-Produktion „Narcos“, dessen zweite Staffel Mitte Februar startete.

Die Serie zeigt ein Sittenbild mit Tiefe

„Narcos Mexico“ erzählt, wie das Verbrechen ein ohnehin korruptes Land vollständig kapern konnte, bis Armee und Polizei sogar die Drecksarbeit für das Drogenkartell erledigen.

Diego Luna spielt den Boss, den Paten, den Strippenzieher Félix Gallardo, der in den 70er-Jahren ein Monopol für Hasch-Anbau und -Schmuggel aufbaut, später in den Kokainvertrieb einsteigt und ein Imperium verwaltet, wie Mexiko es noch nie gesehen hat.

Die Charaktere haben viel Zeit, um sich zu entwickeln

Es ist das Sujet von Hollywoodstreifen wie „Sicario“, „Blow“ und „Traffic“, nur eben im Atem einer Produktion, die souverän alle Trümpfe seriellen Erzählens ausspielt. Die Charaktere haben Zeit, sich zu entwickeln.

Das Sittenbild gewinnt Breite und Tiefe, die ein zweistündiger Kinofilm nicht ausprägen kann. Zum Oberflächenkitzel der Action-Momente gesellen sich Spannungsbögen, die weit ausholen, den Kitt zwischen den Episoden bilden und den Zuschauer in die nächste Folge lotsen.

Diese Serie verführt zum Langzeit-Glotzen

Mit anderen Worten: Die Serie verführt zum Langstrecken-Glotzen, zum „Binge Watching“, wie das neudeutsch heißt. Wir verfolgen Félix Gallardos Aufstieg vom Laufburschen eines Gangsters zum Großunternehmer, der tonnenweise Hasch in die USA verschiebt.

Er schmiert Gouverneure, schmiedet Allianzen, schaltet Rivalen aus und expandiert immer weiter.

Es geht um den Kampf gegen Kraken

Der zweite Erzählstrang gehört dem von Michael Pena verkörperten US-Drogenfahnder „Kiki“ Camarena, der Félix zur Strecke bringen will. Doch in Mexiko sind die Mittel der Amerikaner beschränkt, sie werden von korrupten Beamten massiv behindert.

Camarena kämpft gegen einen Kraken, der das ganze Land im Griff hat. Was ihn umso mehr anspornt. In Corona-Zeiten ist diese Serie der allerbeste Stoff für einen Film-Marathon im Wohnzimmer.

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