Anzeige

Kriegsbeile und Friedensbänke

Osnabrücker Land

12.03.2020, 10:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kriegsbeile und Friedensbänke

© Max Daerr

Andernorts raucht man die Friedenspfeife oder begräbt das Kriegsbeil – am Alten Postdamm zwischen Bad Iburg-Ostenfelde und Lienen, direkt an der Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, stellte man die Friedensbank auf. Ohne Zwist und Zank einigten sich vor gut 20 Jahren Heimatvereine beiderseits der Grenze auf dieses idyllische Plätzchen im Schatten der Allee-Bäume, um einen Gedenkort zum 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens zu schaffen.

1648 im Osnabrücker Rathaus und in Münster verhandelt und verkündet, beendete dieses Abkommen zwar den Dreißigjährigen Krieg und brachte Frieden für ganz Europa, nicht aber für die Bauern in Ostenfelde und Lienen. Sie stritten weiter um Holz- und Weiderechte und gingen schließlich beim „Plaggenkrieg“ 1698 bewaffnet aufeinander los.

Vier Menschen verloren ihr Leben, viele weitere wurden blau und blutig geschlagen, berichten zeitgenössische Quellen. Auch dieser Geschichte gedenken die Menschen an der Friedensbank, wenn sie sich jedes Jahr am zweiten Oktober-Sonntag zum kleinen Friedensfest treffen – und wenn sich Lienener und Ostenfelder heute schlagen, dann nur noch freundschaftlich auf die Schultern.

Historische Grenzen

Geschichten und Orte wie diese machen den unverwechselbaren Reiz der Grenzgängerroute Teuto-Ems aus, die auf 149 Kilometern ein gutes Dutzend historischer Grenzen überquert. Radler lernen unterwegs zum Beispiel die mehr als 1000 Jahre alte Iburg kennen, in der die Osnabrücker Fürstbischöfe residierten – ab 1648 abwechselnd katholische und evangelische, so bestimmte es die weltweit einzigartige Regelung des Westfälischen Friedens. Denn nur in diesem Bistum gab es Anhänger der traditionellen und der neuen Konfession fast zu gleichen Teilen.

Diese religiöse Toleranz schuf neue, ungewollte Grenzen: Benachbarte Dörfer unterschiedlicher Bekenntnisse mieden den Kontakt. Nicht einmal der Besuch des katholischen Kirchweih-Fests im Nachbarort war evangelischen Jugendlichen erlaubt. So nachhaltig wirkte diese Trennung, dass sich unterschiedliche Dialekte entwickelten, die alte Einheimische bis heute zu erkennen behaupten.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Osnabrücker Land

12.03.2020
/
Osnabrücker Land© Max Daerr
Osnabrücker Land© Max Daerr
Osnabrücker Land© Max Daerr
Osnabrücker Land© Max Daerr
Osnabrücker Land© Osnabrücker Land
Osnabrücker Land© Max Daerr

Auch über solche Grenzen hinweg folgen Radfahrer alten Handelswegen und den Pfaden der Salz-Schmuggler zwischen Bad Rothenfelde und Versmold – und genießen dabei das Beste, was Osnabrücker Land,

Ostwestfalen-Lippe und Münsterland zu bieten haben: Burgen und Schlösser, den guten Füchtorfer Spargel und den Versmolder Schinken, landschaftliche Vielfalt zwischen der Pferdestadt Warendorf an der Ems und dem Lebkuchenort Borgholzhausen im Teutoburger Wald sowie zehn weitere historische Städte und Dörfer. Dabei verläuft der Rundweg zum großen Teil durch den Natur- und UNESCO Geopark TERRA.vita, der spannende Abstecher in die Erdgeschichte ermöglicht – in eine Zeit lange vor den ersten Grenzen.

Vier von fünf Sternen

Übrigens: Vier von fünf Sternen gab der ADFC der Grenzgängerroute Teuto-Ems, die somit zu den besten Radfernwegen Deutschlands zählt. Neben der Beschilderung, der sicheren Wegeführung abseits des Autoverkehrs und der touristischen Infrastruktur für Radfahrer gaben vor allem das Thema und der Erlebnisreichtum des Weges den Ausschlag.

Kontakt:

Tourismusverband
Osnabrücker Land e.V.
Herrenteichsstraße 17+18
49074 Osnabrück
Tel. (0541) 3234567
service@osnabruecker-land.de
www.grenzgaengerroute.de