Krebs erklärt den Krieg

Im Kino: "Das Leben gehört uns"

Mit der Liebe geht es schnell: erste Blicke und Küsse in der Disco, gemeinsames Toben durch Paris, gemeinsame Wohnung, gemeinsames Kind. Roméo und Juliette heißt das Paar, Adam der süße Fratz. Eine Beziehungsgeschichte als Videoclip. Glück im Zeitraffertempo. Das nun folgende Drama verlangsamt die Zeit auf nervenzehrende Zeitlupe.

27.04.2012, 12:32 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Bild aus glücklichen Tagen: Noch wissen Roméo (Jérémie Elkaïm) und Juliette (Valérie Donzelli) nicht, dass ihr Sohn einen Gehirntumor hat.

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Noch wissen Roméo (Jérémie Elkaïm) und Juliette (Valérie Donzelli) nicht, dass ihr Sohn einen Gehirntumor hat.

Bei dem Kleinen wird ein Gehirntumor diagnostiziert. Nur teilweise operabel, bösartig. Der Schrecken steht den Eltern von nun ab ins Gesicht geschrieben, aber auch ihr Wille zum gemeinsamen Kampf. "La guerre est déclarée", der Krieg ist erklärt, heißt der Film im Original. So viel vorweg: Der Krebs wird den Krieg nicht gewinnen, aber er fordert Verletzte und Verluste. Die Hauptdarstellerin Valérie Donzelli ist auch die Regisseurin des sehenswerten Films, ihr Ex-Mann Jérémie Elkaïm spielt ihren Schicksalspartner. Mit wunderbaren Momenten größtmöglicher Intimität. Manches wirkt dabei wie aus der privaten Vergangenheit rekapituliert. Die viele Jahre anhaltende Todesdrohung gegenüber dem Kind zehrt an den Kräften des jungen Paares. Angst isst Liebe auf. Am Ende sind Roméo und Juliette erschöpft, aber sie haben auch einen großartigen Sieg errungen.Fremdkörper im Film Lovestory, Melodrama, Tragikomödie - von allem hat "Das Leben gehört uns" etwas Wesentliches. Von keinem Genre-Aspekt zu viel. Donzelli hält die Balance, auch wenn sie bei der Inszenierung nicht immer den sichersten Eindruck macht. Ein Off-Erzähler doppelt mitunter die Bilder, ein untertiteltes Chanson-Duett mit Roméo und Juliette bleibt trotz des wunderbaren Textes ein Fremdkörper im Film, manche nur mit Musik unterlegte Passage ist zu lang geraten.

Dafür entschädigen Mut und Kraft von Regie und Drehbuch, eine Geschichte zu erzählen, die nicht nur dem prallen Leben entsprungen scheint, sondern auch Mut und Kraft spendet, das pralle Leben zu bewältigen. Egal, wer einem den Krieg erklärt hat.

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