Kosten für Abifeiern sprengen alle Dimensionen

dzTeure Abibälle

Das Abi ist nervenaufreibend - für alle Prüflinge. Das war schon immer so. Neu ist, dass die Kosten fürs Fest danach explodieren.

Dortmund

, 09.05.2019, 13:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Unsere Abifeier mit 120 Schülern wird 2020 knapp 40.000 Euro kosten. Die Stufe nach uns plant schon mit 10.000 Euro mehr“, sagt Tilda Isimbi. Die 16-Jährige besucht das Leibniz-Gymnasium Dortmund und ist im Vorstand der Landesschülervertretung. Dabei ist ihr Gymnasium kein Extrem-Fall, sondern eher die Regel. „Ich habe von Schulen gehört, bei denen der Abiball bis zu 60.000 Euro kostet“, sagt sie. Dieter Cohnen pflichtet ihr bei. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Landeselternschaft der NRW-Gymnasien: „Meine Tochter macht 2020 in Aachen Abitur. Sie rechnet bei 75 bis 80 Schülern mit 23.000 Euro.“

Die Eintritts-Kosten variieren - je nachdem, wie viel angezahlt wurde und wie viel die Schüler durch Aktionen und Sponsoren einwerben. „Unser Ziel ist ein Ticket für nicht viel mehr als 25 Euro“, sagt Tilda Isimbi. Die Deutsche Presse-Agentur berichtet über ein Gymnasium in Münster, wo 2019 die Karte 160 Euro kostet.

Und der Ball ist nicht alles. „Hinzukommt festliche Kleidung und bei Mädchen der Haarschmuck“, sagt Cohnen. Tilda Isimbi ergänzt: „Ich kenne Leute, die kaufen sich zwei Kleider: eins für die Zeugnisübergabe am Morgen, eins für den Ball am Abend.“

„Dann gewinnen die Lauten“

Unterm Strich kostet die Abifeier eine Familie mehrere hundert Euro. Geld, das nicht jeder hat. Hilfe vom Staat gibt es für Bedürftige nicht. Im Herbst 2018 wies das Sozialgericht Düsseldorf eine Klage von Hartz-4-Empfängern auf Kosten-Übernahme ab.

Tilda Isimbi sagt: „Viele verstehen, dass es nicht zu teuer werden darf. Aber es gibt immer Leute, die es noch pompöser wollen. Und die sind lautstark.“ Wer weniger Geld habe, traue sich nicht, das zu sagen. „Dann gewinnen die Lauten.“

„Natürlich ist das Abi ein besonderer Moment, der angemessen gefeiert werden soll. Man muss aber aufpassen, dass das nicht eine Veranstaltung nur für Reiche wird“, sagt Cohnen. „Es wäre schön, wenn es nicht um die spektakulärste Feier ging, sondern man um die nachhaltigste, kreativste Feier wetteifern würde.“

Tilda Isimbi ist skeptisch: „Der Trend geht zur Amerikanisierung, immer noch größer. Das liegt nicht am Staat oder an den Schulen, sondern an uns Schülern.“

Schulministerin Yvonne Gebauer sagt: „Ich persönlich würde raten, nicht die Bodenhaftung zu verlieren, damit alle unbeschwert mitfeiern können. Ein Abiball ist kein Opernball.“

Agenturen machen ein Riesen-Geschäft

Der Wunsch nach bescheideneren Feiern mag da sein, andererseits sind Abibälle ein Riesen-Geschäft. Etliche Agenturen haben sich darauf spezialisiert. So kann man etwa bei der Dortmunder Agentur Abigrafen nicht nur den Ball bestellen, sondern eine Abizeitung, T-Shirts und mehr. Gegen Extra-Bezahlung, versteht sich.

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