Kokerei-Riesen werden in 80 Meter Höhe abgerissen

Zeche Zollverein

Zwischen 80 und 100 Meter ragen die Schornsteine der Kokerei auf der Zeche Zollverein in die Höhe. Ihren Dienst haben die imposanten Schlote bereits vor 13 Jahren beendet. Dennoch erhalten sie jetzt wieder mehr Aufmerksamkeit: Weil sie seither ungeschützt Wind und Wetter ausgeliefert waren, müssen sie nun saniert werden - und zwar ziemlich aufwendig.

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, 19.07.2016, 16:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kokerei-Riesen werden in 80 Meter Höhe abgerissen

Sechs Schlote säumen seit Jahrzehnten die 600 Meter lange Koksofenbatterie der Kokerei. Seit 23 Jahren sind sie bereits außer Betrieb.

„Keine Sorge, heute ist es windstill. Da schaukelt es dort oben nicht ganz so stark“, sagt Rusmir Dizdarevic, als er die Tür des Krankorbs schließt. Ein kurzes Ruckeln und schon geht es – gesichert mit Gurten und Haken – in die Höhe. Nach einer knappen Minute ist das Ziel bereits erreicht: Der obere Rand des knapp 80 Meter hohen Schornsteins. Vier Meter beträgt der Durchmesser des guten Stücks hier oben. Wer hineinschaut, erblickt lediglich eine Art Sprossenleiter. Sonst nichts. Nur Dunkelheit.

Dizdarevic und seine Kollegen kommen oft hierher. Allerdings nicht wegen der tollen Aussicht, sondern um ihren Job zu erledigen: die Sicherung des alten Schlots. Weil der und seine fünf Nachbarn seit Jahren ungeschützt Wind und Wetter ausgeliefert sind, hat die Stiftung Zollverein die Sanierung der Bauwerke in Auftrag gegeben.

 

FOTOSTRECKE
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Zeche Zollverein Schornsteinsanierung

Zwischen 80 und 96 Meter ragen die Schornsteine der Kokerei auf der Zeche Zollverein in den Himmel. Ihren Dienst haben die Giganten schon vor knapp 23 Jahren beendet. Weil sie seither ungenutzt Wind und Wetter ausgeliefert waren, müssen sie nun saniert werden. Wir zeigen die schönsten Bilder der alten Schlote - und das aus ziemlich großer Höhe.
19.07.2016
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Mit einem Krankorb geht es in eine Höhe von knapp 80 Metern.© Foto: Püschner
Mit einem Krankorb geht es in eine Höhe von knapp 80 Metern.© Foto: Püschner
Mit einem Krankorb geht es in eine Höhe von knapp 80 Metern.© Foto: Püschner
An der höchsten Stelle hat Schornstein 3 einen Durchmesser von etwa vier Metern.© Foto: Püschner
An der höchsten Stelle hat Schornstein 3 einen Durchmesser von etwa vier Metern.© Foto: Püschner
Der Gigant ist einer von sechs Schloten, die seit Jahrzehnten die 600 Meter lange Koksofenbatterie der Kokerei säumen.© Foto: Püschner
Der Gigant ist einer von sechs Schloten, die seit Jahrzehnten die 600 Meter lange Koksofenbatterie der Kokerei säumen.© Foto: Püschner
Sechs Schlote säumen seit Jahrzehnten die 600 Meter lange Koksofenbatterie der Kokerei. Seit 23 Jahren sind sie bereits außer Betrieb.© Foto: Püschner
Das Innere des Schornsteins ist düster. Seit 23 Jahren stieg hier kein Rauch mehr hinaus.© Foto: Püschner
Das Innere des Schornsteins ist düster. Seit 23 Jahren stieg hier kein Rauch mehr hinaus.© Foto: Püschner
Schwindelfrei sollte man in dieser Höhe schon sein.© Foto: Püschner
Wer erst einmal oben angelangt ist, hat einen tollen Ausblick über die Zeche und die Region. Dieses Privileg genießen in der Regel jedoch nur die Arbeiter.© Foto: Püschner
Wer erst einmal oben angelangt ist, hat einen tollen Ausblick über die Zeche und die Region. Dieses Privileg genießen in der Regel jedoch nur die Arbeiter.© Foto: Püschner
Rusmir Dizdarevic fährt mehrmals pro Tag hinauf, um den alten Schlot zu sichern.© Foto: Püschner
Kein alltäglicher Anblick: Das Kokereigelände aus der Vogelperspektive.© Foto: Püschner
Kein alltäglicher Anblick: Das Kokereigelände aus der Vogelperspektive.© Foto: Püschner
Kein alltäglicher Anblick: Das Kokereigelände aus der Vogelperspektive.© Foto: Püschner
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Sonderbehandlung für Nummer drei

Schornstein 3 genießt diesbezüglich eine Sonderstellung. „Er ist am spektakulärsten, weil er die meisten Beschädigungen aufweist. Wir müssen ihn erst einmal absichern, für Stabilität sorgen und das Futtermauerwerk von oben abtragen. Momentan besteht die Gefahr, dass Mörtelbrocken herunterfallen“, erklärt Ingenieur Jürgen Thelen. Insgesamt werden die Arbeiter 500 Tonnen Material abtragen, und zwar Stück für Stück – bis auf eine Höhe von 25 Metern.

 

Sorge, dass die  Zeche Zollverei n dadurch eines ihrer markantesten Bauwerke verliert, muss sich jedoch niemand machen: Nach dem Abriss wird nämlich wieder aufgebaut – ebenfalls Stück für Stück, mit neuem Material. Die Schornsteine sind schließlich Teil des unter Welterbe-Status stehenden Ensembles der Kokerei, wie Delia Bösch, Pressesprecherin der Stiftung Zollverein, betont.

Rund 3,3 Millionen kostet das alle sechs Schornsteine umfassende Projekt. Ende 2018 sollen sie wieder standfest sein – auch der Koloss mit dem Sonderstatus.