Kölner Sommerfestival begann mit Rhythmus-Spektakel auf einem Kadett

KÖLN Nachher hört man sein Auto mit anderen Ohren. Spitzt sie beim Klappern der Tür, testet vorsichtig die perkussiven Klangeigenschaften von Kühler, Zierleisten, Motorhaube.

von Von Klaus Lipinski

, 07.07.2008, 15:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der „Steinway unter den Konzertautos“ soll der Oper Kadett E sein.

Der „Steinway unter den Konzertautos“ soll der Oper Kadett E sein.

"Auto Auto" nennen Rolf Claussen und Christian von Richthofen ihre genau so verrückte wie kurzweilige Blödelei, mit der sie das Kölner Sommerfestival eröffneten. Einfallsreich und witzig treffen sich in der Kölner Philharmonie Musik und Kabarett auf der Ebene eines großen Spaßes.

Mehr wollen die beiden gar nicht. Auch wenn sie durchaus das oft merkwürdige Verhältnis zum Auto unter die Lupe nehmen, und sich dabei über Autofetischisten lustig machen. Musikalisch geht es natürlich um Perkussion. Auf der Bühne hat die letzte Stunde eines Opel Kadett E geschlagen. Der "Steinway unter den Konzertautos", so nennt ihn von Richthofen, der die Klangeigenschaften raffiniert für seine Zwecke nutzt.

Rhythmik-Spektakel

Er weiß genau, wo das Auto wie eine Bass-Drum klingt, welche Teile sich als Becken oder Hi-Hat eignen. Neben einer ausgefeilten Mikrofontechnik benötigt er nur noch die Füße und den Einsatz der Stimme, um ein virtuoses rhythmisches Spektakel zu erzeugen. Natürlich ist er auch sonst ein versierter Schlagzeuger, dessen Liebe zu Jazz und Latin immer wieder durchschimmert. Man hört Jobims "One Note Samba", James Browns "Sex machine", Bach, Tschaikowsky, Mozart, südafrikanische Rhythmen, "Hit the road jack" von Ray Charles oder die Trommeln einer Marschkapelle in Form rasselnder Werkzeugkisten.

Bei den kurzen Gesangseinlagen zeigt sich, dass von Richthofen Bobby McFerrin und Al Jarreau genau so mag wie asiatischen Obertongesang. Entstanden ist die Idee aus der Arbeit mit Jugendlichen, die Autos eher unmusikalisch mit Baseballschlägern zerstörten. Sein Trommelpartner Rolf Claussen ist für den schauspielerischen Teil zuständig, etwa eine Hitler-Parodie beim TÜV.

Biografie des Opels

Viele Gags sind gut, etwa die Biografie des Opels im Programmheft, manche flacher. Am Ende steht die totale Zerstörung des Autos.

Aber auch wenn danach mit Platon die menschliche Seele mit einem geflügelten Gespann verglichen wird, wirkt das eher wie eine Verarbeitung von Filmzitaten, "Falling down" etwa, und weniger wie eine politische Aussage. Kadettfahrer sollten trotzdem bis 20. Juli in sicherer Entfernung parken.