Klavierfestival Ruhr: Tastenakrobat Sergei Kasprov

ESSEN Alexei Lubimov trieb es früh zur Avantgarde. Schon bei seinem ersten Konzert 1968 standen Werke von John Cage und Terry Riley auf dem Programm. Aber es kam wie bei vielen unangepassten Künstlern in der Sowjetzeit: Lubimov wurde in die Schranken gewiesen und zog sich auf die unverfängliche Alte Musik zurück.

von Von Karsten Mark

, 04.07.2008, 17:06 Uhr / Lesedauer: 1 min
Alexei Lubimov (r.) mit seinem ehemaligen Meisterschüler Sergei Kasprov beim Klavierfestival Ruhr.

Alexei Lubimov (r.) mit seinem ehemaligen Meisterschüler Sergei Kasprov beim Klavierfestival Ruhr.

Seit dem Ende der Zensur widmet sich Lubimov wieder sämtlichen Epochen der Musikgeschichte - und er hat sich einen hervorragenden Ruf als Klavierpädagoge erworben, weshalb er nun auch einen der Meisterkurse beim Klavierfestival Ruhr leitete. Wie gut Lubimovs pädagogische Fähigkeiten sind, bewies sein ehemaliger Meisterschüler Sergei Kasprov am Donnerstag in Essen.

Kasprov, Jahrgang ´79, hat Klavier und historische Tasteninstrumente bei Lubimov studiert und zeigt sich gleich zu Beginn mit fünf Scarlatti-Sonaten äußerst versiert im Umgang mit alter Musik. Sein Spiel ist technisch fein ziseliert, pedantisch bis in die letzte Verzierung durchgestaltet. Was sofort auffällt: Mit den Dogmen einer historischen Aufführungspraxis gibt sich Kasprov nicht weiter ab. Er spielt einen modernen Konzertflügel und nutzt dessen Möglichkeiten aus. Besonders deutlich wird sein Bekenntnis zur modernen Interpretation durch die Auswahl einer Rameau-Transkription des Litauers Leopold Godowsky mit reichlich Pedaleinsatz und großem Dynamikspektrum.

Virtuoses Programm

Dem Barock steht die Klassische Moderne in ihren Anfängen und spätromantischen Vorläufern gegenüber: Alban Bergs Klaviersonate, Deux Poèmes von Skrjabin, schließlich Liszts Klaviertranskrition des Danse macabre von Saint-Saëns in einer Bearbeitung von Horowitz. Es ist ein spannendes und zunehmend virtuoses Programm, das der vielseitige Kasprov mit einer tastenakrobatischen Zugabe von Villa-Lobos bravourös krönt.

Die zweite Hälfte des Abends fällt dagegen deutlich ab. Kasprov mit seinem Lehrer Lubimov als Klavierduo auftreten zu lassen, ist nicht mehr als eine charmante Idee.

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