Klavierfestival Ruhr: Leon Fleisher spielt Bach

ESSEN Leon Fleisher hat seine innere Ruhe gefunden. In gut zwei Wochen wird er 80 und kann zum Ende einer wechselvollen, aber schließlich erfolgreichen Pianistenkarriere wieder selber am Klavier sitzen und aufspielen, wie er es lange Zeit nicht mehr vermocht hat - mit beiden Händen.

von Von Karsten Mark

, 06.07.2008, 16:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Leon Fleisher spielte im solistischen Teil des Essener Konzerts vorwiegend Stücke von Bach.

Leon Fleisher spielte im solistischen Teil des Essener Konzerts vorwiegend Stücke von Bach.

Fast 40 Jahre lang hatte ein Nervenleiden die rechte Hand des Pianisten gelähmt. Mit knapp 75 schaffte er dann doch noch ein Comeback. Beim Klavierfestival Ruhr brachte er sich am Samstag selber das vorgezogene Geburtstagsständchen in der Philharmonie Essen - im zweiten Teil vierhändig mit seiner Frau Katherine Jacobson-Fleisher an seiner Seite.

Fleisher spielt ein Programm, das sich nur jemand herausnehmen kann, der nicht mehr um sein Publikum buhlen muss. Im ersten, dem solistischen, Teil sind überwiegend Stücke von Bach zu finden. Nur eines davon ist bekannt, nämlich die Klaviertranskription von "Jesus bleibet meine Freude". Für Fleisher ist dieses Stück "eine Art Mantra", um innere Ruhe zu finden. Gleiches gilt für eine Kantatentranskription des Busoni-Schülers Egon Petri, die nur eine sehr bedingte Bekanntheit genießt: "Schafe können sicher weiden".

Alter Meister

Fleishers Bachspiel wirkt entrückt. Der Kalifornier spielt seine ganz persönliche Interpretation, ungeachtet aller Konventionen. So romantisiert er weitaus stärker, als man es nach heutigen Standards gewohnt ist. Dennoch stellt er die klangliche Schlichtheit, die Klarheit der Strukturen in den Vordergrund.

Der Jubilar gibt nichts darum, sein Publikum virtuos oder klanglich zu becircen, gar zu unterhalten. Das Bachsche Frühwerk "Über die Abreise eines geliebten Bruders", ein Capriccio in sechs Sätzen, hat intellektuellen Reiz, ohne unmittelbar wirkungsvolle Klavierliteratur zu sein. Ähnliches gilt für die vertrackte Chromatische Fantasie und Fuge in d-moll. Strawinskys "Sérénade en la" fällt gar unter die Kategorie "spröde". Das Publikum nimmt die Herausforderung an und feiert den alten Meister mit ausgiebigem Applaus. Allerdings fällt schon auf, dass die große Philharmonie deutlich davon entfernt ist, gefüllt zu sein. 

Duo mit Gattin

Zwei Werke zu vier Händen dann zum Schluss. Eine Fantasie in f-moll, die Schubert für den Unterricht schrieb, was dem Werk auch anzumerken ist, und Ravels wild wirbelnder "La Valse" in einer Klavierfassung von Lucien Garban. Es ist ein schönes Geschenk an den Jubilar, dass er mit seiner Frau, die ebenfalls Pianistin ist, gemeinsam auftreten kann. An den Esprit eines eingespielten Klavierduos aber kommt das Ehepaar nicht heran. Dennoch am Ende verdienter Applaus.

 Am 14. Juli ist Leon Fleisher mit seiner Frau und dem Stuttgarter Kammerorchester noch einmal beim Klavierfestival Ruhr im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen zu erleben.

 

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