Klavierfestival Ruhr: Chick Corea mit "Return To Forever" in Essener Grugahalle

ESSEN Auf die Rolle des alten Meisters hat er überhaupt keine Lust. Chick Corea, längst eine lebende Jazzlegende, sehnt sich mit 67 nach den wilden Jahren zurück.

von Von Karsten Mark

, 20.07.2008, 14:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der souveräne Meister Chick Corea am Flügel.

Der souveräne Meister Chick Corea am Flügel.

"Mir scheint, wir seien alle einfacher gestrickt gewesen, als wir jung waren", sagt er, "also strebte ich eine Rückkehr zu dieser Einfachheit des Lebens an - ein Return to forever."

25 Jahre nach der letzten Reunion und gar 35 Jahre nach Neugründung des legendären Quartetts "Return To Forever" als Jazz-Rock-Band stehen Chick Corea, Stanley Clarke, Al Di Meola und Lenny White wieder gemeinsam auf der Bühne. Am Samstag spielten sie als Teil des Klavierfestivals Ruhr in der Essener Grugahalle.

Besonders Tastenstar Corea, der Senior der Band, genießt seine zweite Jugend sichtlich, begrüßt sein Publikum demonstrativ Kaugummi kauend und spielt mit den Sounds seines Keyboards herum, als hätte er es gerade zu Weihnachten bekommen. Dass er sein Publikum damit amüsiert und nicht nervt, liegt an der ungeheuren Souveränität des Meisters.

Hyper-Virtuosität

War die Hyper-Virtuosität vor 30 Jahren noch ein Spitzensport für Jazz-Rocker, so scheint er heute nur noch ein Spaß zu sein. Corea an Klavier und Keyboards, Clarke an E- und Kontrabass und Di Meola an E- und Akustikgitarren schenken sich nichts in punkto flinker Finger. Und in der Tat klingt ihre Musik intellektuell unbefangen wie einst. "Return To Forever" steht für Bauchmusik, die groovt und funkt mit sportlich-virtuosen Soli, die intelligent konzipiert sind.

Die Band bietet ein erstaunlich langes und zweigeteiltes Programm: Zuerst wird das Revival, durchaus mit Nostalgie bedient. Corea spielt ein altes Fender Rhodes E-Piano, dazu den klassischen Moog-Synthie, die Saitenkünstler haben ihre analogen Effektgeräte wieder herausgekramt und Lenny White kommt mit einem Riesen-Drumset. Sie erreichen den alten Sound und auch den alten Drive, vielleicht sogar noch ein wenig perfekter als früher, und sie genießen es, allen voran Stanley Clarke, dabei kräftig ihre Show abzuziehen.

Unplugged Sound

Die Showeinlagen bleiben auch nach der Pause, doch nun präsentiert sich das Quartett im alten Geiste mit neuem unplugged Sound: Akustikgitarre, Kontrabass und Flügel. "Return To Forever" zeigt sich als quicklebendige Band, die mehr zu bieten hat als ein reines Revival.

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