Klavier-Festival: Bei Argerich und Maisky ist 1 + 1 = 1

DORTMUND 1 + 1 = 1. Auch im Jahr der Mathematik geht diese Rechnung auf, wenn man sie mit Martha Argerich und Mischa Maisky macht.

von Von Julia Gaß

, 09.07.2008, 16:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die zwei Starsolisten Martha Argerich und Mischa Maisy bildeten beim Klavier-Festival ein Traumduo.

Die zwei Starsolisten Martha Argerich und Mischa Maisy bildeten beim Klavier-Festival ein Traumduo.

Dass zwei Starsolisten auch ein Traumduo sind, ist nicht selbstverständlich. Die 67-jährige, argentinische Pianistin und der 60-jährige lettische Cellist, die seit über 30 Jahren immer wieder zusammenspielen, bescherten dem Publikum des Klavier-Festivals im ausverkauften Konzerthaus Dortmund einen legendären Abend.

Beide Musiker sind für ihr temperamentvolles Spiel bekannt. Als Duo bündelten sie das Temperament und konzentrierten es auf gegenseitig inspirierende, dichte Leidenschaft. In Beethovens Variationen über "Bei Männern, welche Liebe fühlen" klang diese Leidenschaft zärtlich, intim und lyrisch. Schön phrasiert und grazil spielte das Duo die Variationen, um in der Sonate von Grieg dann Volksliedton zu dichter Emphase zu steigern.

Blindes Verständnis

Fast ohne Blickkontakt verstehen sich die 2007 mit dem Preis des Klavier-Festivals für ihr Lebenswerk geehrte Pianistin und der Rostropowitsch-Schüler. Selbstverständlich gelangen ihnen schöne Übergänge und Wechsel zwischen rauer Kraft mit impulsiver Bewegung und zarter Innigkeit. Argerich war eine stark inspirierende Kraft, Maisky der Musiker, der Energie mit Leidenschaft und großer Spannung umsetzte.

Zwei Kriegswerke

Selten war der Saal von so viel Ruhe erfüllt wie dann bei der Gegenüberstellung zweier höchst gegensätzlicher Kriegswerke. Aus der großen Cello-Klavier-Elegie aus Messiaens "Quartett auf das Ende der Zeit", das im Juni beim Klavier-Festival in Dortmund schon der junge Cellist Nicolas Altstedt und Pavel Gililov gespielt haben, klang die große andächtige Ruhe der beiden Altmeister. Sechs Jahre vor dem Messiaen-Werk, 1934, komponierte Schostakowitsch seine expressiv abgedunkelte, in vielem visionär klingende d-Moll-Sonate.

Kontrollierte Wildheit gab Maisky den diabolischen Läufen des 2. und 4. Satzes, in dem schon der Spaß des Komponisten an Virtuosität lugte, der später aus dem 2. Klavierkonzert blitzt. Und das Largo, versunken und dicht, mit abgeklärter Reife gespielt, bleibt lange in Erinnerung. - Eine Sternstunde der Kammermusik.

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