Diese Kita aus der Dortmunder Nordstadt hat den Deutschen Lesepreis gewonnen

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Die Gewinner des Deutschen Lesepreises 2019 für besonderes Engagement in der Leseförderung stehen fest. Eine Kita im Dortmunder Norden belegte dabei einen der vordersten Plätze.

von Marc Dominic Wernicke

Nordstadt

, 10.11.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stiftung Lesen und die Commerzbank-Stiftung haben am Mittwoch (6. November) in Berlin die Gewinner des Deutschen Lesepreises bekanntgegeben.

Unter den 16 Preisträgern, die für ihr Engagement in der Leseförderung ausgezeichnet wurden, ist auch die Fabido-Kita an der Stollenstraße. Sie belegte den zweiten Platz in ihrer Kategorie.

„Die Leseförderung in dieser Kita ist etwas ganz Besonderes, denn hier gelingt mit ihr zugleich die interkulturelle Sprachförderung und Integration“, lobte die städtische Jugenddezernentin Daniela Schneckenburger bei einem Besuch der Einrichtung am Freitag (8. November).

„Die ganze Familie lernt, wie wichtig Lesen für die Entwicklung des Kindes ist. Gleichzeitig erfahren die Familien der unterschiedlichen Kulturen, dass auch ihre Sprache wichtig ist.“

Fabido-Kita vermittelt Leseförderung und Sprachkompetenz

„Mütter und Großmütter aus den Familien lesen und erzählen den Kindern Geschichten in ihrer Sprache. So lernen die Kinder gemeinsam verschiedene Sprachen kennen und erklären sie dann einander“, beschreibt Kita-Leiterin Gabriele Braß das preisgekrönte Konzept.

90 Prozent der Kinder im Fabido-Familienzentrum wachsen mehrsprachig auf. Ihre Muttersprachen sind unter anderem Türkisch, Polnisch, Arabisch, Kurdisch, Spanisch und Chinesisch.

„Durch die Wertschätzung und den Austausch ihrer Sprachen lernen die Kinder zugleich auch besser Deutsch und entwickeln schon früh ein Verständnis für die Vielsprachigkeit im Stadtteil“, so Braß.

Diese Kita aus der Dortmunder Nordstadt hat den Deutschen Lesepreis gewonnen

In der Kita lesen die Kinder Geschichten in ihren Muttersprachen und helfen einander, diese zu verstehen. Auch die Mütter und Großmütter, die hier täglich als Lesepatinnen mitwirken, schätzen das Lernkonzept sehr. © Marc D. Wernicke

Neben dem Lernwert für die Kinder seien die täglichen Lesestunden auch für die teilnehmenden Frauen eine wertvolle Erfahrung: „Sie genießen es sehr, dass sie hier mit den Kindern unter sich sein können“, schildert die Leiterin.

„Ihre Männer haben schon eigene Treffpunkte. Dies ist dagegen ein Raum, in dem die Frauen dominieren und sich selbst verwirklichen können. Das macht sie stärker.“

Kinder werden selbst zum Lesen animiert

Auch Kinder, die schon lesen können, werden in der Kita stets zum Lesen animiert. „Sie lesen erst eine Geschichte in ihrer Muttersprache und übersetzen sie dann für die anderen Kinder“, erklärt Fatos Bozkurt, die die deutsch-türkische Gruppe begleitet.

„Sie lernen hier die Wertschätzung ihrer eigenen und aller anderen Muttersprachen. Keine steht über den anderen. Die Integration klappt über die Beziehungen der Kinder und der Familien, die so entstehen.“

Das ist der Deutsche Lesepreis

Der Deutsche Lesepreis wird seit 2013 jährlich in sechs Kategorien vergeben und ist mit insgesamt 25.000 Euro dotiert. Für den zweiten Platz in der Kategorie „Herausragende Sprach- und Leseförderung in Kitas“ bekommt die Fabido-Einrichtung an der Stollenstraße 1500 Euro. Andere Auszeichnungen gab es für individuelles, kommunales und prominentes Engagement, Schulen und digitale Medien.
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