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Vertrauensbasis in RAG und Bezirksregierung schwindet

Bergbau-Gutachten

Angespannte Stimmung zwischen Bürgern und Bezirksregierung. Die stellte im Brauhaus ein Gutachten der TU Clausthal vor. Viele Bürger forderten die Einhaltung festgelegter Grenzen und mahnten Behörde und Bergbau-Unternehmen, gegebene Versprechen einzuhalten.

KIRCHHELLEN

von Von Manuela Hollstegge

, 09.01.2013

Es sind noch zehn Minuten bis zum Beginn der Bürgerversammlung. Mitglieder des Initiativkreises bergbaubetroffener Bürger Bottrop (IBB) begrüßen die Ankommenden mit Plakaten und einem zweiseitigen Informations- und Forderungsschreiben. Michael Farin ist einer von ihnen. „Mit dem Gutachten sind wir grundsätzlich zufrieden. Wir fordern aber die Einhaltung der alten Grenzen und der ursprünglichen Senkungsmaxima“, stellt er klar, bevor auch er im Brauhaus verschwindet.

Drinnen ist es voll. Die ersten Bürger richten sich aufs Stehen ein. Bernd Rottmann hat noch einen Sitzplatz bekommen. Er wohnt im vom Bergbau betroffenen Gebiet und hatte schon mit gesprungenen Fliesen und Problemen bei der Wasserversorgung zu kämpfen. „Ich erwarte, dass uns heute reiner Wein eingeschenkt wird“, sagt er. Um kurz nach halb sieben ergreift Andreas Welz von der Bezirksregierung Arnsberg das Wort. In einem 20-minütigen Vortrag stellt er das Gutachten der TU Clausthal zu „Senkungserscheinungen außerhalb der prognostizierten bergbaulichen Einwirkungsbereiche des Bergwerks Prosper Haniel“ vor.

Fest steht: „Die Bodenbewegungen reichen weit über den prognostizierten Bereich hinaus“, so Welz. Dabei handle es sich jedoch um eine „überschaubare Größenordnung“. Deutlich sei, dass die Steinkohle-Gewinnung hauptursächlich für die Senkungen sei. Innerhalb des Untersuchungszeitraum von sieben Jahren (2003 bis 2010) seien Senkungen von bis zu acht Zentimetern festgestellt worden. Als Maßnahme auf das im August 2012 vorgestellte Gutachten habe die Bergbaubehörde die Monitoringmaßnahmen erweitert. Dieser sogenannte „erweiterte Betrachtungsraum“ habe zu der 2001 festgesetzten Null-Linie einen Abstand von rund 1000 Metern.

„Eigentümer von Grundstücken innerhalb dieses neuen Bereiches sollen so gestellt werden, als lägen sie in dem damals prognostizierten Bereich zu erwartender Bergschäden“, erklärt Welz. Während er redet, versucht er anhand von Karten den komplexen Sachverhalt zu verdeutlichen. Für viele scheinen jedoch nicht nur die kleinteiligen Karten schwer zu lesen, sondern auch die zahlreich verwendeten Fachbegriffe schwer zu verstehen sein.

Deutlich wird das, als sich ein Bürger nach einer hitzigen Fachdiskussion zu Wort meldet. „Für mich sind das alles böhmische Dörfer. Was ich eigentlich wissen möchte ist, was mich als Hauseigentümer in den nächsten 20 Jahren erwartet?“, fragt er sichtlich verwirrt. Die Vertreter der Bezirksregierung wiegeln ab. Es handle sich nur um Senkungen von wenigen Zentimetern. „Verharmlosen Sie die Sache nicht“, ruft ein Bürger dazwischen. Schon nach kurzer Zeit haben sich die Bürger in der Fragerunde heiß geredet.

„Wir glauben dem Bergbau gar nichts mehr“, heißt es und „Lassen Sie die Null-Linie bestehen, dann wären Sie deutlich glaubwürdiger“. Viele Bürger verstehen nicht, warum die alte, im Rahmenbetriebsplan festgelegte, Linie erweitert werden soll. „Warum zeigen Sie als Behörde der RAG nicht ihre Grenzen auf?“, fragt ein Bürger. Damals habe man lediglich Prognosen angestellt – diese müsse man nun revidieren, antwortet Michael Kirchner, Leiter der Abteilung Berbau und Energie bei der Bezirksregierung Arnsberg.

Das sei rechtlich korrekt, verteidigt er die Änderungen und verweist – wie so oft an diesem Abend – auf Gesetze des Bergbaus. „Ich kann verstehen, dass das für sie schwer verständlich ist, aber so ist es nun einmal.“ Der Saal reagiert mit empörten Rufen und Gelächter. Die Angst nehmen konnten RAG und Bergbehörde den Bürgern, was alte Anträge auf Schadensregulierung angeht. Früher aufgrund der Null-Linie abgelehnte Anträge werde man neu berücksichtigen, hieß es. Auch Neubauvorhaben habe man noch einmal geprüft. Zusätzliche Sicherungsmaßnahmen seien jedoch nicht nötig. Die Diskussion dauert zwei Stunden. Und auch am Ende ist nicht alles gesagt, sind die Fronten eher verhärtet, als gelöster. Die Bürger haben klar gemacht, dass ihnen das Vertrauen fehlt. Ihnen das zurückzugeben, haben die Verantwortlichen nicht geschafft – jedoch zumindest Informationen weitergeben können.

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