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Der "Kirchbube" - Ein historisches Gesöff

Kirchhellener Spirituose

Um 1900 gab es in Kirchhellen viele Brennereien. Oft wurde aufgrund der hohen Abgaben schwarz gebrannt. Auch Alois Winkelmann muss zu dieser Zeit eine Brennerei in Kirchhellen betrieben haben. Wahrscheinlich hätte er sich damals nicht träumen lassen, dass er einmal der Auslöser für eine verrückte Aktion im 21. Jahrhundert sein würde.

Kirchhellen

von Von Manuela Hollstegge

, 05.11.2013
Der "Kirchbube" - Ein historisches Gesöff

200 Flaschen des Destillates sind derzeit im Umlauf.

"Vor einiger Zeit wurden wir von jemandem angeschrieben, der von seinem Opa erzählte, der damals eine Brennerei in Kirchhellen hatte", erzählt Marco Willer, der gemeinsam mit Jörg Boehm, Lars und Thorsten Schlüter sowie Frank Strömer die Seite "kirchhellen.de" betreibt.

Er nahm Kontakt zum Heimatverein auf, um mehr über damalige Schnapsbrennereien in Kirchhellen und eventuell sogar alte Rezepte zu erfahren. Ferdinand Schmitz vom Heimatverein machte sich sofort auf die Suche, fand jedoch zu diesem Themengebiet nur eine spärliche Dokumentenlage vor. Er konnte lediglich herausfinden, dass im Jahr 1814 eine Steuererhöhung viele kleine Brennereien zur Aufgabe gezwungen hatte, die sich diesen finanziellen Rahmen nicht erlauben konnten.Schlehdorn in Grafenwald Bereits der Enkel, der Kontakt mit den Homepage-Betreibern aufgenommen hatte, hatte die Verwendung von Schlehdorn erwähnt. In weiteren Gesprächen mit älteren Kirchhellenern fiel der Begriff ebenfalls häufiger. So konnte in Erfahrung gebracht werden, dass es zur damaligen Zeit einen großen Bestand von Schlehdornpflanzen - auch bekannt unter dem Namen Schwarzdorn - in Grafenwald gab und diese durchaus auch zur Herstellung von edlen Destillaten verwendet wurden.

Also machten sich die selbsternannten Kirchhellener Schnapsforscher daran, einen Brenner zu finden, der ihnen ein Weizenfeindestillat mit Schlehdornlikör produzieren konnte. Im baden-württembergischen Landkreis Tuttlingen wurden sie fündig. Nach langen Verkostungsabenden hatten sie schließlich das für sie perfekte Endprodukt gefunden. Name und historisches Etikett waren dann schnell ausgetüftelt.Leicht süßliche Note "Der Schlehdorn gibt dem Getränk eine leicht süßliche Note und ist im Geschmack sehr mild", erzählt Marco Willer. Auch für die Damen sei er gut trinkbar. Trotzdem soll es für sie im Frühjahr als Pendant zum "Kirchbuben" eine "Kirchdame" geben - einen Schlehenlikör.

"Wir machen das alles nebenbei, als Hobby. Im Vordergrund steht, etwas Gutes für Kirchhellen zu tun. Mit dem Kirchbuben Gewinn zu machen, ist nicht Ziel der ganzen Aktion", so Willer. 200 Flaschen sind zunächst in den Umlauf gebracht worden. Erhältlich sind sie im Einzelhandel vor Ort (Preis: um die 15 Euro). Testen kann man den Kirchbuben aber auch im Brauhaus, Klosterstübchen, bei „Dieckmann-Keßler“ oder „Up de Schmudde“. Auch beim Wintertreff vom 29. November bis 1. Dezember wird es das historische Gesöff zu kosten geben.