Kindesentzug bei Quarantäne-Verstößen: NRW-Gesundheitsminister widerspricht Gesundheitsämtern

Coronavirus

Droht der Kindesentzug, wenn sich Familien nicht an die Quarantäne-Regeln halten? Das NRW-Gesundheitsministerium hat eine klare Aussage dazu getroffen - genauso wie der Gesundheitsminister.

NRW

, 27.08.2020, 11:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wenn Eltern gegen die Quarantäne-Anordnungen der Gesundheitsämter verstoßen, könnte das in NRW Folgen für die Kinder haben (Symbolbild).

Wenn Eltern gegen die Quarantäne-Anordnungen der Gesundheitsämter verstoßen, könnte das in NRW Folgen für die Kinder haben (Symbolbild). © picture alliance/dpa

Einen Verdachtsfall in der Schule oder in der Kita kann es schnell geben. Zur Sicherheit sollten Mitschüler oder Kinder aus derselben Kita-Gruppe dann in Quarantäne, um eine weitere Ansteckung zu verhindern. Auch die betroffenen Eltern eines Verdachtsfalls sollten sich dann an die Quarantäne-Anordnungen der Gesundheitsämter halten. Tun sie das nicht, kann ihnen im schlimmsten Fall ihr Kind weggenommen werden.

Nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums kann ein Verstoß gegen die Quarantäne-Regeln eine Inobhutnahme des Kindes rechtfertigen. „Wenn eine Kindeswohlgefährdung durch Verstöße gegen die Quarantäne vorliegt, kann es zu einem Kindesentzug durch das Jugendamt kommen“, erklärte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums auf Anfrage der Neuen Westfälischen. Welche Szenarien diesen drastischen Eingriff in die Familie rechtfertigen, konnte der Sprecher nicht benennen.

Kinder können entzogen werden

Noch Anfang August hatte sich das NRW-Gesundheitsministerium anders zu diesem Thema positioniert. „In NRW drohen Gesundheitsämter nicht mit der Inobhutnahme von Kindern und ordnen auch nicht die Isolation von Kindern getrennt von der Familie in häuslicher Quarantäne an“, hieß es am 6. August. Nun scheint sich die Lage jedoch geändert zu haben.

Auslöser der Debatte war laut Bericht der Bild ein Schreiben verschiedener Kommunen an Familien, die wegen einer Corona-Infektion in Quarantäne mussten. Darin hieß es, falls das Abstands- und Maskenverbot in Wohnung oder Haus nicht eingehalten werde, könne das Amt die Kinder sogar „in eine geschlossene Einrichtung“ verbringen – also den Eltern die Kinder zeitweise entziehen.

Gesundheitsminister Laumann: Keine Drohung mit Kindesentzug

Dem widersprach nun NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Gesundheitsämter in Nordrhein-Westfalen sollen im Fall von Quarantäneverstößen bei corona-kranken Kindern nicht mit der Herausnahme aus der Familie drohen. Laumann sagte, er werde die Ämter nachdrücklich bitten, „solche Maßnahmen, die nur Verunsicherung schüren, grundsätzlich nicht weiter anzudrohen“.

Laumann sagte, im Fall von Verdacht oder Erkrankung sollten Lösungen gefunden werden, in denen Eltern und Kinder zusammenbleiben sollten. Dem Ministerium seien keine Fälle bekannt, in denen Kinder wegen einer Quarantänemaßnahme aus Familien herausgenommen worden wären.

Familienminister Joachim Stamp (FDP) ergänzte, die Androhung von Inobhutnahme im Zusammenhang mit Quarantäne führe zu Misstrauen und sei zu unterlassen. Die Familien hätten besonders unter der Corona-Pandemie gelitten. Behörden sollten bei der Umsetzung erforderlicher Maßnahmen sensibel agieren.

Empfehlungen des Bundesgesundheitsministeriums

Die Bundesgesundheitsministerium für Gesundheit und das Bundesportal infektionsschutz.de empfehlen bei einer Erkrankung oder bei einem Verdachtsfall im eigenen Haushalt, für eine räumliche Trennung und genügend Abstand zu den übrigen im Haushalt lebenden Personen zu sorgen.

Zuletzt forderte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet eine Strafe von 25.000 Euro bei Quarantäne-Verstößen. Laschet bezieht sich dabei auf den Bußgeldkatalog des Landes. In diesem sind Ordnungswidrigkeiten nach dem Infektionsschutzgesetz im Zusammenhang mit der Coronaschutzverordnung mit einer Strafe von bis zu 25.000 Euro enthalten.

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