„Kinderkliniksterben“ in Deutschland: Ärzteverband sieht Versorgung kranker Kinder in Gefahr

Gesundheit

Kinderkliniken in Deutschland erzielen kaum Gewinne, sondern verzeichnen mehr Verluste. Als Konsequenz werden pädiatrische Krankenhäuser und Abteilungen geschlossen.

Köln

22.07.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Für die Betreuung von Kindern in Krankenhäusern muss viel Zeit und Geld investiert werden.

Für die Betreuung von Kindern in Krankenhäusern muss viel Zeit und Geld investiert werden. © picture alliance/dpa

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat an die Politik appelliert, gegen die Schließung von Kinderkliniken und -stationen aktiv zu werden. „Vor allem die medizinische Versorgung schwer kranker und chronisch kranker Kinder ist durch Klinikschließungen akut gefährdet“, warnte Verbandpräsident Thomas Fischbach am Mittwoch in Köln.

Die Zahl der Betten in den Kinderabteilungen der deutschen Krankenhäuser gehe seit über zwanzig Jahren stetig zurück, gleichzeitig stiegen seit einigen Jahren die Geburtenzahlen.

Abteilungen schließen wegen geringen Profits

Die Ursachen für diese Entwicklung sieht der Kinderärzteverband in der Privatisierung des Gesundheitssystems sowie der Einführung von Fallpauschalen. Die meist privaten Klinikbetreiber schlössen Kinderabteilungen aufgrund der aus ihrer Sicht mangelhaften wirtschaftlichen Rendite, erklärte Fischbach.

Als Beispiel nannte er den Klinik-Konzern Asklepios, der Ende des vergangenen Jahres die Kinderstation im mecklenburg-vorpommerischen Parchim geschlossen hatte.

Verbandspräsident fordert konstruktive Lösungen der Politik

„Kranke Kinder sind zeit-, personal- und materialaufwendig“, erläuterte der Mediziner. Ärzte und Pflegepersonal müssten sich viel Zeit nehmen. Vor allem sehr junge Kinder müssen etwa gefüttert, gewickelt und intensiv betreut werden.

Kinderstationen müssten zudem Betten und Apparate wie Beatmungsgeräte in unterschiedlichen Größen vorhalten. „Das System der Fallpauschalen sieht trotz Nachbesserungen diesen Aufwand nicht vor“, kritisierte Fischbach. Deshalb könnten Kinderkliniken keine Gewinne abwerfen und würden von privaten Betreibern geschlossen.

„Die Politik muss hier endlich gegensteuern“, mahnte der Kinderärzte-Präsident. Er forderte eine Vergütung der Kliniken, die dem erhöhten Aufwand der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen entspreche.

RND