Kaum verurteilt, schon wieder auf der Anklagebank - Prozess um rätselhafte Bluttat

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So schnell kann’s gehen: Im Februar ist ein Mann aus Recklinghausen zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Jetzt steht er schon wieder vor Gericht. Doch diesmal beteuert er seine Unschuld.

Bochum

, 20.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kaum verurteilt, schon wieder auf der Anklagebank: In Bochum muss sich seit Montag ein 31-jähriger Mann aus Süd vor Gericht verantworten, der im März zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden ist. Damals ging es um Drogen, diesmal geht es um eine rätselhafte Bluttat. Mitangeklagt ist ein jüngerer Bruder (27).

Es war der 26. Februar 2017, abends um halb zehn. Die beiden Angeklagten sollen wie ein Rollkommando in eine Teestube in Recklinghausen gestürmt und dort über zwei andere Brüder hergefallen sein. Laut Anklage hatten beide Messer dabei. Ein Opfer erlitt einen Bauchstich, das andere wurde in Oberschenkel und Oberarm getroffen.

Vor allem der Stich in den Oberschenkel hatte schwere Folgen. Ein Nerv wurde durchtrennt, das rechte Bein war vorübergehend gelähmt, musste sofort operiert werden. Die Verletzung ist bis heute nicht ausgeheilt, das Gehen funktioniert noch immer nicht wieder wie früher.

„Ich weiß nicht, warum ich hier bin“

Einfach wird der Fall für die Richter der 11. Strafkammer des Landgerichts allerdings nicht. Beide Angeklagte haben die Tat zum Prozessauftakt bestritten. „Ich weiß gar nicht, warum ich hier bin“, sagte der bislang nicht vorbestrafte Jüngere der beiden. Der Ältere formulierte es so: „Ich war das nicht, Frau Richterin. Ich weiß nicht, warum die mir einen reindrücken wollen.“

Wo er sich damals aufgehalten hat, wisse er nicht mehr. Was nach Angaben von Verteidiger Olaf Krekeler aber auch normal sei. „Nach so vielen Jahren weiß man das natürlich nicht mehr. Er war nach seinen Angaben an jenem Tag zumindest nicht in der Teestube.“

Überwachungskamera ohne Bilder

Direkt erkannt worden sind die beiden Angeklagten offenbar nicht. Auch die angeblich installierte Überwachungskamera soll nichts aufgezeichnet haben.

Der 31-jährige Angeklagte sitzt zurzeit bereits seine fünfeinhalbjährige Haft ab. Allerdings nicht im Gefängnis. Er befindet sich in einer geschlossenen Drogentherapie. Er hatte in seinem früheren Prozess gestanden, hochwertiges Marihuana unter anderem an einen 15-Jährigen verkauft zu haben. Außerdem sollen Waffen im Spiel gewesen sein.

Die Hintergründe der nun verhandelten Bluttat sind unklar. Fakt ist: Auch die beiden Opfer sind bereits wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft.

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