Katholiken demonstrieren gegen Kardinal Woelki und zeigen ihm die Rote Karte

Demonstration

Mehrere Gemeindemitglieder haben Kardinal Woelki aufgefordert, auf eine geplante Firmung Jugendlicher zu verzichten. Nun kam er zu einem Krisengespräch. Doch die Fronten sind verhärtet.

Düsseldorf

28.05.2021, 09:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, geht durch einen Spalier aus Gemeindemitgliedern, die ihm vor der Kirche St. Maria vom Frieden die Rote Karte zeigen. Woelki besucht die Gemeinde zu einem Krisengespräch.

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, geht durch einen Spalier aus Gemeindemitgliedern, die ihm vor der Kirche St. Maria vom Frieden die Rote Karte zeigen. Woelki besucht die Gemeinde zu einem Krisengespräch. © picture alliance/dpa

Etwa 100 Katholiken haben am Donnerstagabend in Düsseldorf gegen den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki demonstriert. Die Teilnehmer, darunter Mitglieder der Reformbewegung Maria 2.0, zeigten Woelki Rote Karten. Plakate trugen Aufschriften wie „Ein Bischof, dem die Menschen egal sind, ist fehl am Platz!!“ oder „Alle Getauften sind Kirche“.

Gemeinde fordert Woelki auf, von geplanter Firmung abzusehen

Woelki richtete sich bei seiner Ankunft nur kurz mit ein paar Worten an einige der Demonstranten. Der Chef des größten deutschen Bistums war zu einem Krisengespräch in die Düsseldorfer Gemeinde St. Margareta gekommen. Dort hatten ihn mehr als 140 Gemeindemitglieder aufgefordert, von einer geplanten Firmung von Jugendlichen am 9. Juni abzusehen.

In der Gemeinde sind im Laufe der Zeit zwei Pfarrer tätig gewesen, die des Missbrauchs verdächtigt werden. „Wir machen hier unseren Unmut darüber deutlich, dass Kardinal Woelki weiterhin an der Firmung festhalten will“, sagte einer der Demonstranten, Peter Barzel, der Deutschen Presse-Agentur. „Wir hatten ihn gebeten, von der Firmung zurückzutreten und jemand anderen dafür zu schicken.“

Gemeindemitglieder wollen schon länger mit Woelki sprechen

Die Gemeindemitglieder hätten unabhängig von der Firmung mit Woelki über das Thema Missbrauch sprechen wollen. Pfarrer und Mitglieder des Pfarrgemeinderates hatten ihn schon zum Jahreswechsel um eine Stellungnahme zu dem mutmaßlichen Missbrauchstäter Pfarrer O. gebeten und zum Gespräch eingeladen.

„Ein halbes Jahr haben wir auf einen Terminvorschlag gewartet“, sagte Barzel. „Erst jetzt, nachdem wir ihn aufgefordert hatten, von der Firmung abzusehen, und nachdem mit Pfarrer D. ein zweiter Fall öffentlich wurde, war plötzlich dieser Termin möglich.“

Am Freitag hat Woelki schon das nächste Krisengespräch, diesmal mit den 15 Stadt- und Kreisdechanten, den Regionalchefs des Erzbistums. 14 von ihnen haben ihn in einer gemeinsamen Email aufgefordert, wegen der anhaltenden Glaubwürdigkeitskrise im Erzbistum „persönliche Konsequenzen“ zu ziehen.

Woelki erneut angezeigt

Unterdessen ist Woelki erneut wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen das Kirchenrecht angezeigt worden. Ihm werde vorgeworfen, sich in einem Fall von sexuellem Missbrauch durch einen Priester nicht gemäß den Vorgaben des Kirchenrechts verhalten zu haben, teilte das Bistum Münster am Donnerstag mit.

Eine entsprechende Meldung ist beim Münsteraner Bischof Felix Genn eingegangen. Dieser ist zuständig, weil er der dienstälteste Bischof der Kirchenprovinz Köln ist. Genn muss nun den Vatikan informieren. Im vergangenen Jahr war auch schon eine Anzeige gegen Woelki bei Genn eingegangen. In dieser Sache hat sich der Vatikan bis heute nicht gerührt.

dpa

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