Kassierer eines Kleingartenvereins soll 60.000 Euro unterschlagen haben

dzKriminalität

Der Kleingärtnerverein „Am Stadtwald“ in Bocholt beschuldigt seinen früheren Kassierer, große Summen aus der Vereinskasse unterschlagen zu haben.

von Jochen Krühler

Bocholt

, 25.06.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Vereinsvorstand hat die Polizei eingeschaltet, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Nach bisheriger Schätzung könnten bis zu 60.000 Euro fehlen, heißt es in einem Bericht des Bocholter Borkener Volksblatts (BBV).

Der Kleingärtnerverein „Am Stadtwald“ ist in eine finanzielle Krise von großem Ausmaß geraten. Dem Verein fehlen offenbar mehrere Zehntausend Euro in der Kasse. Nach BBV-Informationen wirft der Verein seinem früheren Kassierer vor, Geld aus der Kasse genommen zu haben. Von Unterschlagung und Veruntreuung ist die Rede, zwischenzeitlich hat die Staatsanwaltschaft ermittelt.

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Der frühere Kassierer habe bei der Kassenprüfung die Unterlagen nicht vollständig vorgelegt, sagt Manfred Stanitzeck, Kassenprüfer des Kleingartenvereins. Belege und Schlüssel hätten gefehlt, eine Barkasse hätten die Kassenprüfer gar nicht zu Gesicht bekommen.

Es könnten rund 60.000 Euro in der Kasse des Kleingartenvereins fehlen

Der finanzielle Schaden sei noch nicht hundertprozentig aufgearbeitet, doch schon jetzt deute sich an, dass es um viel Geld geht, sagt Stanitzeck. „Es steht im Raum, dass bis zu 60.000 Euro fehlen könnten“, so der Kassenprüfer. Man sei „entsetzt, was nach und nach zutage tritt.“ Laut Stanitzeck geht es um Summen, die der Verein eigentlich hätte zahlen müssen – etwa Pacht an die Stadt oder die Kosten für einen Getränkehändler. Der Verein hatte die Vereinsgaststätte auf dem Gelände seit Februar 2018 in Eigenregie betrieben. Seit Anfang Juni führt nun wieder ein Pächter die Gaststätte.

Nach BBV-Informationen ist der damalige Kassierer bereits im Januar aus dem Vorstand entfernt worden. Auf einer ersten Mitgliederversammlung im März wurde ein neuer Kassierer gewählt, der sich seither bemüht, mit dem Vorstand die Angelegenheit aufzuarbeiten. Die Mitglieder erteilten dem Vorstand auf der Versammlung jedoch wegen der ungeklärten Finanzsituation keine Entlastung.

Verein musste Kredit aufnehmen

Auf einer zweiten Versammlung Mitte Juni stimmten die Mitglieder nach BBV-Informationen mehrheitlich zu, dass der Verein einen Kredit aufnimmt, um zunächst das Nötigste bezahlen zu können. Jeder Gartenpächter ist mit 100 Euro dabei. Der Kleingärtnerverein hat gut 80 Parzellen auf seinem Gelände.

Der beschuldigte frühere Kassierer des Vereins wollte am Dienstag auf Anfrage des BBV nichts zu dem Sachverhalt sagen. Er verwies auf das derzeit laufende Verfahren.

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Der Vereinsvorsitzende, der seinen Namen nicht in der Zeitung genannt haben möchte, wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls nicht zur Sache äußern. Die Faktenlage sei noch zu unklar. Zur Finanzsituation des Vereins sagte er nur so viel: „Die Gärtner verlieren nicht ihren Garten.“

Der Verein hatte im März die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die ermittelte zunächst unter anderem wegen des Verdachts der Untreue gegen den ehemaligen Kassierer, stellte die Ermittlungen im April jedoch mit Zustimmung des Amtsgerichts Bocholt wieder ein.

Auf Anfrage des BBV sagt dazu Oberstaatsanwalt Dirk Ollech von der Staatsanwaltschaft Münster, dass es sich nach damaliger Einschätzung um eine „vereinsinterne, zivilrechtliche Auseinandersetzung“ gehandelt habe. Diese Auseinandersetzung habe aus Sicht der Staatsanwaltschaft nur die unmittelbar Beteiligten betroffen und nicht die Belange der Öffentlichkeit berührt.

Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingestellt

Zudem sei der beschuldigte Kassierer bislang nicht vorbestraft, so Ollech. Deshalb habe die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt. Eine Schadenssumme sei im April jedoch noch nicht bekannt gewesen.

Kassenprüfer Manfred Stanitzeck kann die damalige Entscheidung der Staatsanwaltschaft angesichts des Ausmaßes nicht nachvollziehen. „In meinen Augen ist das eine Missachtung spezifischer Treuepflichten des Kassierers gewesen“, sagt er. Für ihn sei der Straftatbestand der Untreue erfüllt.

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