Kampagne #restartgastro: Wirte fordern einen zügigen und „achtsamen“ Neustart

Coronavirus

Die Corona-Pandemie zwingt die Gastroszene in die Knie. Mit der Kampagne #restartgastro wollen Wirte und weitere Beteiligte den Druck auf die Politik erhöhen.

Hamburg

25.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Gastronomen wollen den Druck auf die Politik erhöhen, damit ihre Betriebe Anfang Mai wieder öffnen dürfen.

Gastronomen wollen den Druck auf die Politik erhöhen, damit ihre Betriebe Anfang Mai wieder öffnen dürfen. © picture alliance/dpa

Ein Wirtschaftszweig versucht, den Druck auf die Politik zu erhöhen. Aus Protest gegen die erzwungenen Schließungen wurden am Freitag überall in Deutschland leere Stühle vor Restaurants, Cafés und Bars gestellt. Mälzer, Rosin, viele andere Restaurantchefs, Olaf Koch, Vorstandsvorsitzender des Handelskonzerns Metro, sowie Dutzende Manager aus der Branche haben die Kampagne #restartgastro gestartet.

Ein Brief wurde an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geschickt. Einer Internet-Petition haben sich bislang rund 14.400 Unterstützer angeschlossen. Sie fordern einen zügigen und zugleich „achtsamen Neustart“. Der 4. Mai soll der Tag für den Einstieg in den Exit werden. Treibende Kraft ist der Großhandelsverband Foodservice, dessen Mitglieder die Wirte mit Nahrungsmitteln beliefern.

Warnung vor „einem existenziellen Risiko“

Die Branche hat es durch die Kontakt-Beschränkungen besonders heftig gebeutelt. Seit dem 23. März sind die Gaststuben geschlossen. Speisen und Getränke dürfen nur noch außer Haus verkauft werden. Die Einnahmeeinbußen sind immens.

Und viele Betriebe verfügen über keine finanziellen Reserven, weil sie auch schon vor dem Lockdown kaum etwas verdient hatten, sondern sich mit dem Geld in der Kasse irgendwie über Wasser gehalten haben. Seit Wochen warnen Lobbyisten, dass ein großer Teil der rund 220.000 Gastronomiebetriebe in Deutschland mit etwa 2,4 Millionen Beschäftigten „einem existenziellen Risiko ausgesetzt“ sei.

Wirte stellen „verantwortungsbewusste Gastronomie“ in Aussicht

Zwar hat sich die große Koalition in dieser Woche auf Steuererleichterungen verschiedener Art geeinigt. Aber der wichtigste Punkt, die Herabsetzung des Mehrwertsteuersatzes von 19 Prozent auf sieben Prozent, wird erst wirksam, wenn die Lokale wieder eröffnet werden. Beim Verkauf außer Haus gelten ohnehin schon die sieben Prozent. In dem Brief an Merkel versprechen Mälzer, Raue und Co beim „Neustart einer verantwortungsbewussten Gastronomie“, Schutzkonzepte umzusetzen, die „weit über 1,5 Meter Abstandsregelungen“ hinaus gehen – dafür müssen die Wirte die Zahl der Tische deutlich reduzieren.

Unter anderem sollen überdies Desinfektionsspender am Eingang und auf den Toiletten bereit stehen, Plexiglaswände aufgestellt werden. Man will mit digitalen Speisekarten auf Gäste-Smartphones und verkleinerten Angebot bei Speis und Trank operieren. Das Personal soll Schutzmasken tragen. Auch die Aufenthaltsdauer der Gäste könne beschränkt werden, um die Infektionsgefahr zu mindern und die Frequenz der Kundschaft zu erhöhen.

Ziel ist, dass es am 4. Mai wieder losgehen kann

Wahrscheinlich werden einige dieser Anregungen auch beim Treffen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer am nächsten Donnerstag diskutiert. Der Wirtschaftsminister aus NRW, Andreas Pinkwart (FDP), will bis dahin mit seiner Kollegin aus Baden-Württemberg, Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), und seinem Kollegen aus Niedersachsen, Bernd Althusmann (CDU), ein Konzept für eine abgestufte Öffnung der Gastronomie vorlegen.

Ziel ist, dass es am 4. Mai wieder losgehen kann. Ob die Ideen des Trios durchsetzbar sind, ist sehr fraglich. Merkel hat bereits deutlich gemacht, dass frühestens eine Woche später, beim Treffen am 6. Mai, über weitere Lockerungen entschieden werden könne – da erst dann erkennbar sei, welche Folgen die Wiedereröffnung der Einzelhandelsgeschäfte mit sich gebracht hätten.

Söder hat deutlich späteren Start im Blick

Auch ein anderer wichtiger Akteur zeigt sich skeptisch: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Problematisch sei, dass Mundschutz im Lokal „sinnwidrig“ sei – er meint für die Gäste. Und wenn Alkohol ins Spiel komme, könne es auch mit dem Abstandhalten schwierig werden. Entscheidungen müssten aufgrund belegbarer Zahlen getroffen werden. Und dabei verweist er auf Österreich, wo die Gastronomie Mitte Mai wieder loslegen soll, die Nachbarn seien Deutschland in der Pandemie etwa zwei Wochen voraus. Das deutet darauf hin, dass Söder eher einen Neustart in den Räumlichkeiten von Restaurants und Cafés für frühestens Ende Mai oder Anfang Juni im Auge hat.

Das dürfte bei den Promi-Köchen und ihren Mitstreitern auf heftige Kritik stoßen. In ihrem Brief an Merkel warnen sie schon vorsorglich: Sogar bei einer zeitnahen Öffnung sei davon auszugehen, dass eine Rückkehr zur Wirtschaftlichkeit nicht sofort möglich ist. Denn wer nur eine reduzierte Zahl von Tischen besetzen könne, „fährt dauerhaft Umsatzverluste“. Deshalb macht sich die Restart-Gastro-Initiative auch dafür stark, dass in jedem Fall auch noch ein staatlicher Rettungsfonds mit direkten Finanzhilfen kommen muss. Also mit Zuschüssen, die Wirte und Wirtinnen nicht zurückzahlen müssen. Von einem Topf mit mindestens zwei Milliarden Euro ist die Rede.

RND

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