Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

"Jugend ohne Gott": Schüler-Wettkampf führt zum Mord

Im Kino

Bei Geländespielen in den Bergen ermitteln Jugendliche die Besten der Besten. Ein totalitärer Zukunftsstaat erzieht die Elite von morgen. Menschlichkeit und Mitgefühl sind nicht gefragt, es geht um Härte und Ehrgeiz. Mit „Jugend ohne Gott“ schrieb Ödön von Horváth 1937 gegen die Nazis und ihre Gehirnwäsche bei Jugendlichen an.

DORTMUND

, 31.08.2017 / Lesedauer: 2 min
"Jugend ohne Gott": Schüler-Wettkampf führt zum Mord

Erst den Chip einlesen: Zach (Jannis Niewöhner) und Nadesh (Alicia von Rittberg) beim Geländespiel.

In der Verfilmung von Alain Gsponer wirkt der Referenzrahmen der Story vage luftig konstruiert, nicht so dicht an der Wirklichkeit wie Horváths Roman. Die Verhältnisse der Gesellschaft, in der die jungen Leute leben, bleiben großenteils Hörensagen. Wenn dann doch eine Schule für Proletarier ins Bild gerückt wird, sieht sie nach einem Tollhaus aus, übertrieben pittoresk wie die verwahrlosten Slums nebenan.

Nach Hollywood schielen

Horváth erzählt aus der Perspektive eines Lehrers (im Film eine Randfigur: Fahri Yardim), während Gsponer den rebellischen Schüler Zach (Jannis Niewöhner) zur Zentralfigur macht. Auch sonst ist vieles anders. Das Drehbuch schielt in Richtung Hollywood und macht aus der Parabel einen Stoff, der sich an „Die Tribute von Panem“ oder „Die Bestimmung“ anlehnt.

Ronja Räubertochter

Jugendliche rangeln um Punkte, die Trainerin (Anna Maria Mühe) führt Buch und verwaltet die Ergebnisse. Kein Teen-Dramolett ohne Amore: Zach bandelt mit einer „Illegalen“ an, die außerhalb der Sektoren für arme Leute den Wald durchstreift und Vorräte klaut.

Emilia Schüle ist als Ewa zu sehen, eine Ronja Räubertochter, für die Zach sogar einen Mord auf sich nimmt. Ein Mädchen aus dem Elite-Camp wurde erschlagen, Ewa steht unter Anklage und beteuert ihre Unschuld. Wer hat’s getan?

Kein Thriller-Potenzial

Hier generiert der Film ein Mindestmaß an Spannung, doch längst nicht das Thriller-Potenzial, das die Musik uns vorgaukelt. „Jugend ohne Gott“ verrennt sich zwischen Rebellen-Poesie, Krimi, Liebelei, halbverdauter Faschismus-Studie. Von allem etwas ergibt am Ende fast nichts. Ach ja - dass Umarmungen eiskalte Mörder zur Reue treiben, ist doch wohl blumigster Kintopp.