Je schlechter der Grundzustand, desto eher rechnet sich eine Haus-Sanierung

dzEnergetische Haussanierung

Die Fenster sind zugig, die Heizung alt, die Hausfassade schlecht oder gar nicht gedämmt. Eine energetische Sanierung kann helfen, Heizkosten und CO2-Emissionen zu sparen. Lohnt sich das?

NRW

, 14.06.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ja, sagen Experten. In Altbauten, die vor 1978 gebaut wurden, geht rund ein Drittel der Heizwärme durch die Außenwände verloren. Eine Fassadendämmung kann diesen Verlust deutlich verringern. Laut dem Gebäudereport 2016 der Deutschen Energieagentur (Dena) werden 63% des Endenergieverbrauchs für Raumwärme und Warmwasser in Wohngebäuden durch Ein- und Zweifamilienhäuser verursacht. Große Mehrfamilienhäuser ab 13 Wohneinheiten haben nur einen Anteil von 7% am Endenergieverbrauch für Raumwärme und Warmwasser in Wohngebäuden.

Um den Ausstoß von Treibhausgasen aus deutschen Schornsteinen bis 2030 zu halbieren, führe kein Weg an deutlich effizienteren Gebäuden vorbei. Sie seien der Schlüssel für eine kostengünstige Wärmewende, bilanziert die Denkfabrik Agora Energiewende in einer Studie, die Ende 2018 veröffentlicht wurde. Derzeit werde jährlich etwa eines von hundert Bestandsgebäuden gedämmt, nötig für das Gelingen der Wärmewende sei eine Verdopplung, wünschen sich die Experten von Agora Energiewende.

Auch die Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf hält eine Erhöhung der Rate für sinnvoll. „Unter dem Klimaschutzaspekt sollte man sein Haus energetisch so fit machen, dass es zu den Klimazielen 2050 passt“, sagt Energiereferent Philipp Mahler.

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Die energetischen Anforderungen an Gebäude werden in der Energiesparverordnung (EnEV) festgelegt. Sie gilt für fast alle Gebäude, die beheizt oder klimatisiert werden. Für Neubauten gelten strengere Regeln als für Bestandsbauten, hier gibt es keine Sanierungspflicht, sondern nur Austausch- oder Nachrüst-Verpflichtungen, zum Beispiel für Öl- oder Gaskessel, die älter als 30 Jahre sind.

Doch was ist sinnvoll, wenn ich mein Haus energetisch sanieren möchte? Neue Heizungsanlage, Fenster, Dach und Fassadendämmung? „Grundsätzlich hängt es davon ab, was schon gemacht wurde“, sagt Verbraucherzentralen-Energiereferent und Diplom-Ingenieur Philipp Mahler. Ein Haus, das gar nicht gedämmt sei, entspreche nicht mehr dem heutigen Wohnniveau. Bei einer Teilsanierung seien eine neue Heizung und neue Fenster zu empfehlen. Aber, wenn die Fenster bereits vor zehn bis 15 Jahren erneuert wurden, müsse man sie nicht erneut austauschen. Je energietechnisch schlechter der Grundzustand eines Hauses sei, desto mehr rechne sich die Sanierung, sagt Mahler.

Manche Bürger klagen nach einer energetischen Sanierung über Probleme mit Schimmelbildung. „Schimmel ist eigentlich in ungedämmten Altbauten zu finden“, so der Ingenieur. Dämme man einen Altbau, geht der Schimmel eher weg. Er könne aber durch neue, zu dichte Fenster entstehen, die weniger Luftzirkulation ermöglichen. „Man müsste dann zusätzlich ein Lüftungsystem einbauen.“

Eine sogenannte Initialberatung zum Thema Energetische Sanierung bieten die Verbraucherzentralen an. Ein Energieberater kommt ins Haus und gibt seine Einschätzung ab. Diesen (kostenpflichtigen) Service bieten auch freie Energieberater an. Sie geben zudem Auskunft über Fördermittel, die unter anderem die KfW anbietet. Auch einige Kommunen haben Förderprogramme aufgelegt.