Jane Campions Ballade vom kranken Poeten

Kino: "Bright Star - Meine Liebe. Ewig"

Selbstverständlich rascheln hier Wörter und Reifröcke, selbstverständlich ist hier Romantik so nah wie die Sexualität fern. Ein Film über den englischen Dichter John Keats kann einfach nicht anders. Und er darf es wohl auch nicht.

von Von Klaus-Peter Heß

, 03.01.2010, 14:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ben Whishaw als John Keats und Abbie Cornish als Fanny Brawne in dem Drama "Bright Star" von Jane Campion.

Ben Whishaw als John Keats und Abbie Cornish als Fanny Brawne in dem Drama "Bright Star" von Jane Campion.

Die meisterhafte Regie von Jane Campion ("Das Piano") sorgt bei "Bright Star - Meine Liebe. Ewig" dafür, dass die Zuschauer nicht so lange in einer kinematografischen Kostümwelt herumgeführt werden, bis ihnen die Augenlider schwer werden. Einer auch erwartbaren Kitschwelt, wie sie in Liebesgeschichten aus jener Zeit gern geschaffen werden, entzieht sie sich mit ihrem melodramatisch leisen Stoff ohnehin. Campions Film ist wie eine Ballade von Keats: schwermütig die Stimmung, gewagt die Ausführung, herzerwärmend der Inhalt.

Die letzten Lebensjahre des mittellosen, tuberkulosekranken Dichters stehen im Mittelpunkt: die Jahre 1817 bis 1821. Später wird man von seinen "großen Jahren" sprechen und von seinen schwersten. Keats wohnt im Haus seines Gönners und Förderers Charles Armitage Brown. Dort lernt der 22-jährige Keats die 17-jährige Fanny Brawne kennen. Eine ausgezeichnete Schneiderin, zudem ein forsches, durchaus selbstbewusstes Fräulein, das mit seinen Gedichten so gar nichts anzufangen weiß - und damit nicht allein steht. Keats ist kommerziell erfolglos. Erst viel später wird man ihn den größten lyrischen Dichter Englands nennen, und es wird nicht der einzige Superlativ sein, mit dem man die Ignoranz seiner Zeitgenossen wieder gut zu machen versucht.

Macht der Bilder Fanny verliebt sich trotzdem in den ernsthaften jungen Mann, und Keats erwidert ihre Liebe. Körperlos, mit Gedichten, mit Briefen, ein flüchtiger Kuss muss ausreichen, um die Sehnsucht nach Vereinigung auszuhalten. Argwöhnisch beobachtet von seinem Freund und von ihrer Familie. Ben Wishaw und Abbie Cornish spielen das wunderbar. Ihre Augen sprechen Bände. Mehr braucht es nicht, um Liebe zu zeigen. Augen-Blicke.

Jane Campion nutzt hingegen die große Macht der Bilder, die metaphernhaft Poesie und Liebe begleiten und doch auch ganz der Lebenswelt des frühen 19. Jahrhunderts verpflichtet sind. Die Gründe der todbringenden Krankheit bleiben nicht ungezeigt. Als Keats nach Italien aufbricht, um seine Krankheit zu lindern, steigt er in eine schwarze Kutsche. Mehr braucht es nicht, um den Tod anzukündigen, und mehr darf es auch nicht sein.

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