Isselburger Landwirte berichten über Dürre- und Wahlkampfzeiten

dzLandwirtschaft

Alle reden vom Klimawandel. Neben vielen anderen leiden auch und vielleicht vor allem die Landwirte unter den Folgen. Drei Isselburger Landwirte schildern, was das für sie bedeutet.

von Frithjof Nowakewitz

Isselburg

, 20.08.2020, 12:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Andreas Brauweiler, Andreas Bushuven und Peter Hackfort sind Bauern mit Leidenschaft. Ihren Beruf füllen sie an 365 Tagen im Jahr aus, manchmal sogar 24 Stunden am Tag. Was ihnen zu schaffen macht, sind die sinkenden Ernteerträge. Ein aktuelles Beispiel ist die Weizenernte.

„Im vergangenen Jahr konnten noch 9 Tonnen Weizen verbucht werden, in diesem Jahr waren es aber nur noch 7,2 Tonnen“, berichtet Andreas Brauweiler. Der Deutsche Bauernverband hat soeben gemeldet, dass die Getreideernte 2020 voraussichtlich um knapp fünf Prozent hinter dem Durchschnitt der fünf Vorjahre zurückbleibe.

Das Korn braucht eine bestimmte Qualität

Aber nicht nur die Menge ist entscheidend. Um aus dem Weizen Mehl für die Brotbackindustrie herzustellen, braucht das Korn eine bestimmte Qualität. Die setzt aber unter anderem ausreichende Bodenfeuchtigkeit voraus. Erreicht der Weizen nicht jene Qualität, die die Backindustrie fordert, lässt sich das Getreide bestenfalls noch als Tierfutter verwenden. Und das geschieht wegen der Trockenheit der vergangenen Jahre immer öfter. Das gilt auch für den Futtermais.

Die Isselburger Landwirte Andreas Brauweiler (2. von links), Peter Hackfort (2. von rechts) und Andreas Bushuven (rechts) sprechen über ihre derzeitige Situation. Links steht Brauweilers Sohn Paul.

Die Isselburger Landwirte Andreas Brauweiler (2. von links), Peter Hackfort (2. von rechts) und Andreas Bushuven (rechts) sprechen über ihre derzeitige Situation. Links steht Brauweilers Sohn Paul. © Frithjof Nowakewitz

Ein Thema, das erst vor Kurzem durch alle Medien gegangen ist: die Corona-Vorfälle bei Schlachtbetrieben wie Westfleisch und Tönnies, die zu Werksschließungen führten. Peter Hackfort, der einen Schweinebestand von über hundert Tieren hat, war davon betroffen. „Wir haben einen Vertrag mit Westfleisch“, sagt Hackfort. Auf seinem Hof habe es deswegen keine großen Probleme gegeben, weil das Schlachtunternehmen ja schon nach relativ kurzer Zeit den Betrieb wieder aufgenommen habe.

Andreas Bushuven will das Thema aber nicht schnell abhaken: „Die Politiker haben doch alle gewusst, was in den Schlachtbetrieben für Zustände herrschen. Aber solange alles normal läuft, kümmert sich doch kein Mensch darum“.

„Wir Bauern sind zum Spielball der Politik geworden“, kritisiert Bushuven. Das beste Beispiel aus seiner Sicht: das Wahlplakat der Grünen, die für die Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen mit dem Slogan werben, „Grün ist, auch ohne Glyphosat die dicksten Kartoffeln zu haben“.

Jetzt lesen

Über dieses Thema kann sich auch Hackfort mächtig aufregen: „Das geht gar nicht, ist sachlich falsch und macht überhaupt keinen Sinn. Glyphosat wird über die Blätter aufgenommen. Würde man das auf die Pflanze sprühen, gelänge das Pestizid über die Blätter in die Wurzel, und die Kartoffel würde absterben.“

Leben müssen die Landwirte mit so manchem Protest von Bürgern, die sich durch die konzentrierte Aufbringung von Gülle belästigt fühlen – einerseits durch die Zahl der Fahrten und andererseits durch den Geruch, der an warmen Tagen extrem sein kann. Die Düngung mit Gülle oder Strohmist unterliegt allerdings bestimmten Zyklen.

Richtlinien der Düngeverordnung

Die richten sich nach der Art des späteren Anbaus und nach den Richtlinien der Düngeverordnung. Soll heißen: In bestimmten Zeiten wird überhaupt nicht gedüngt. Wenn dann aber Düngezeit ist, sind fast alle Landwirte gleichzeitig mit ihren Fahrzeugen im Einsatz. „Gülle enthält alles, was für das Wachstum der Pflanzen wichtig ist“, erklärt Bushuven. Die Alternative wäre Kunstdünger. Der müsste aber teuer eingekauft werden, ergänzt Hackfort.

Lesen Sie jetzt