„Irre hohe Infektionszahlen“: Berliner Amtsarzt hält Lockdown bis zum Frühjahr für nötig

Lockdown

Der aktuelle Corona-Lockdown gilt bis zum 10. Januar. Es zeichnet sich aber ab, dass die Regeln hart bleiben werden. Ein Amtsarzt fordert nun, dass der Lockdown bis ins Frühjahr verlängert wird.

Berlin

01.01.2021, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Patrick Larscheid, Amtsarzt im Berliner Bezirk Reinickendorf.

Patrick Larscheid, Amtsarzt im Berliner Bezirk Reinickendorf. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Der Berliner Amtsarzt Patrick Larscheid hält einen Lockdown bis zum Frühjahr für unausweichlich - nicht allein in der Hauptstadt. „Wir haben weiter irre hohe Infektionszahlen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Nach dem Silvesterwochenende werden wir den Effekt der Weihnachtstage sehen.“ Es sei zu vermuten, dass die Mobilität im zweiten Lockdown nicht so stark nachgelassen habe wie beim ersten im Frühjahr.

Larscheid ist Amtsarzt im Berliner Bezirk Reinickendorf und spürt die Folgen der Pandemie jeden Tag. Die Möglichkeit der Impfung sei eine ganz tolle Sache, betonte er. Doch bislang sei unklar, ob die Geimpften das Virus nicht trotzdem weitertragen könnten. „Wir müssen bitte noch ein paar Monate durchhalten“, sagte Larscheid.

„Man müsste jetzt einen Appell an die Bevölkerung richten, dass wir uns das alles zumuten müssen.“ Diesen Mumm sehe er im Moment zu wenig. „Aber wir haben den ethischen Konsens, dass wir die medizinischen Notwendigkeiten stärker gewichten wollen als die wirtschaftlichen“, betonte er.

In Berlin sei die Pandemie mit den jetzigen Methoden nicht wirkungsvoll kontrolliert, urteilte Larscheid. Ein Effekt sei praktisch nicht sichtbar, weil sich das Verhalten nicht ändere. „Ich weiß auch nicht, wie man das den Leuten das klarmachen soll. Denn ich kann jeden verstehen, der sagt: Ich bin so müde von alldem“, sagte der Amtsarzt. „Aber dann müssen wir schauen, was wir vielleicht alle gemeinsam nicht richtig machen. Und was müssen wir tun, damit wir alle aus dem Schlamassel schneller rauskommen?“

Das sei auch gut für den Zusammenhalt im neuen Jahr. „Das ist für mich der einzig sinnvolle Vorsatz: Dass wir uns jetzt gemeinsam richtig anstrengen, um diese Mist-Krankheit wegzudrängen“, ergänzte er.

Im Moment gebe es zum Beispiel in Berlin ein so hohes Infektionsgeschehen, dass es sich realistisch betrachtet ganz schwer kontrollieren lasse. „Natürlich wird es nach dem 10. Januar weitergehen mit einem Lockdown“, sagte er. „Vernünftigerweise sollte die Politik jetzt schon sagen: Bis Ende März oder bis Ende April kann sich nichts ändern.“ Oder: „Kommt mal alle runter von dem Trip, dass wir jede Woche das Ganze aufheben können. Eine Rolle rückwärts ist nicht möglich.“

In Berlin seien nur noch zwei Drittel der Intensivbetten frei für das normale Geschehen. „Das geht gar nicht auf Dauer.“

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