„Ich hatte Todesangst“ - Prozess um Attentat auf SPD-Politiker

Prozess

Im Dezember wurde der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Hans Wallow in seiner Wohnung in Bonn überfallen und mit einem Gasrevolver bedroht. Jetzt schilderte er das Attentat vor Gericht.

Bonn

06.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hans Wallow, ehemaliger SPD-Bundestagabgeordneter, sitzt als Nebenkläger neben seiner Anwältin Susanne Selter im Gerichtssaal.

Hans Wallow, ehemaliger SPD-Bundestagabgeordneter, sitzt als Nebenkläger neben seiner Anwältin Susanne Selter im Gerichtssaal. © picture alliance/dpa

Nach einem Anschlag auf den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Hans Wallow (80) hat der mutmaßliche Angreifer zum Prozessauftakt geschwiegen. Seit Mittwoch muss sich der 44-jährige Informatiker wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Körperverletzung sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz vor dem Bonner Landgericht verantworten.

Allerdings hatte der Angeklagte bereits nach dem Anschlag am 18. Dezember 2019 in der Bonner Wohnung Wallows seine Tat beim Ermittlungsrichter eingeräumt. Er habe auf den Oberkörper des 80-Jährigen gezielt und auch zwei Mal abgedrückt. Dabei sei es nur „ein Zufall gewesen, dass sich kein Schuss aus dem Gasrevolver gelöst“ habe. Er habe durchaus in Kauf genommen, den Politiker - der ein Freund seines Vaters ist - zu verletzen.

„Endlich erwische ich mal einen von euch Scheiß-Politikern“

Das Motiv seiner Tat scheint Wut auf Politiker zu sein. Am Tattag hatte sich der Angeklagte unter einem Vorwand - er müsse zur Toilette - Zutritt zur Bonner Wohnung des früheren Abgeordneten verschafft. Als er das Gästeklo verließ, hatte er die Waffe in der Hand, erinnerte sich Wallow am Mittwoch im Zeugenstand. „Endlich erwische ich mal einen von euch Scheiß-Politikern“ soll der Angreifer gesagt und aus 50 Zentimeter Entfernung abgedrückt haben.

Wallows Lebensgefährtin, die die Gefahr bereits gespürt hatte, sprang den 44-Jährigen von hinten an, wodurch er zu Boden kam. In einem Gerangel, bei dem der Angeklagte immer wieder versucht haben soll, die Waffe auf den Politiker zu richten, gelang es dem Paar, sich auf den Attentäter zu setzen und ihn so festzuhalten, bis die alarmierte Polizei eintraf.

Dabei soll die 38-jährige zweimal von dem Angeklagten in den Arm gebissen worden sein. „Ich hatte Angst. Todesangst“, gestand Wallow. Es sei ein Kampf auf Leben und Tod gewesen. „Ich habe es als einen Mordversuch empfunden.“ Seit dem Angriff könne er nicht mehr schlafen und befinde sich in einer Trauma-Therapie.

Angeklagter war zunächst in einer psychiatrischen Klinik untergebracht worden

Einen Tag vor dem Attentat hatte der arbeitslose Angeklagte, der zuletzt in Österreich gelebt hat, bereits bei Wallow geklingelt: Er wollte mit ihm über ein Buch sprechen, das der Politiker in den 80er Jahren im Verlag seines Vater veröffentlicht hatte. Der 80-Jährige hatte ihn vertröstet.

Der Angeklagte war zunächst auch wegen seltsamer Äußerungen zum Motiv in einer psychiatrischen Klinik untergebracht worden. Nachdem der Sachverständige in einem vorläufigen Gutachten den 44-Jährigen für voll schuldfähig erklärt hat, wurde Ende Januar der Haftbefehl erlassen. Seitdem sitzt er in der JVA Köln.

dpa

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