Höchste Unwetterwarnstufe: Zwei Verletzte nach Blitzeinschlägen

Wetter

Am Wochenende wird es ungemütlich. Der Deutsche Wetterdienst hat für Teile des Landes die höchste Unwetterwarnstufe ausgerufen. Das bedeutet: extremes Unwetter mit Starkregen, Gewittern und Hagel.

13.06.2020, 18:18 Uhr / Lesedauer: 4 min
Am Wochenende sind deutschlandweit Unwetter zu erwarten.

Am Wochenende sind deutschlandweit Unwetter zu erwarten. © picture alliance/dpa

Deutschland steht ein unruhiges Wochenende bevor: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor Unwettern mit Sturm, Hagel und Starkregen. Am Samstag riefen die Experten für einige Landesteile die höchste Warnstufe aus. Das bedeutet: Warnung vor extremem Unwetter. Und so kam es vor allem im Norden des Landes auch.

Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg hatten mit Starkregen und Blitzeinschlägen zu kämpfen, aber auch in Brandenburg, Berlin, Thüringen und Sachsen-Anhalt war es stressig für Einsatzkräfte.

Lübeck: Zwei Verletzte nach Blitzeinschlägen

In Lübeck waren Polizei und Feuerwehr ab 12.30 Uhr im Dauereinsatz. Rund 200 Mal mussten die Rettungskräfte ausrücken. Dutzende Keller liefen voll und es wurden mehrere Blitzeinschläge gemeldet, die auch zu Bränden in Gebäuden führten.

Zwei Menschen wurden verletzt, als ein Blitz einen Schuppen neben einem Wohngebäude in Brand setzte. Zwei Menschen, die sich in unmittelbarerer Nähe befanden, wurden dabei verletzt. Die Feuerwehr konnte die Flammen löschen. Im Lübecker Hauptbahnhof drohte Wasser in eine Stromverteilung zu laufen und einen Stromausfall zu verursachen. Auch hier waren die Einsatzkräfte angerückt, um Schlimmeres zu verhindern.

Sachsen-Anhalt: Flutbefürchtungen treffen am Samstag nicht ein

In Sachsen-Anhalt prasselte am Nachmittag zunächst besonders viel Starkregen auf das Jerichower Land nieder. So wurden in Drewitz, einem Ortsteil von Möckern, 28 Liter Regen pro Quadratmeter binnen einer Stunde gemessen. In Genthin kam mit 24 Litern pro Quadratmeter fast ebenso viel herunter, teilt der DWD mit. Damit lag man aber unter den befürchteten 40 Litern pro Quadratmeter pro Stunde. Die Behörden hatten von einer Überflutungsgefahr gesprochen, auch weil der trockene Boden vielerorts das Wasser nicht schnell genug aufnehmen könne.

Im Lagezentrum des Magdeburger Innenministeriums waren allerdings zunächst keine größeren Schäden oder gesperrten Straßen durch Überflutungen bekannt. Ein Sprecher warnte Autofahrer auf der Autobahn vor Aquaplaning. Die Sachsen-Anhalter müssen auch in den kommenden Tagen Vorsicht walten lassen. „Das Schauspiel soll die ganze Nacht anhalten“, sagte der DWD-Meteorologe.

Vollgelaufene Keller in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg, Hagel in Thüringen

In Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg trafen am Mittag starke Gewitter und Starkregen ein. Vor allem in Wismar hatten die Feuerwehren viele Einsätze, wie ein Sprecher der Regionalleitstelle am Samstag sagte. Dort seien Keller und Tiefgaragen vollgelaufen. Die „Ostsee Zeitung“ berichtete, dass Gewitter an der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein zwischen Groß Sarau und Schönberg sowie zwischen dem Kreuz Wismar und der Raststätte Fuchsberg den Verkehr auf der Autobahn 20 zeitweilig zum Erliegen gebracht hätten. Stellenweise habe das Wasser 20 Zentimeter hoch auf der Fahrbahn gestanden.

In Thüringen sind erste Unwetter am Samstag hingegen glimpflich ausgegangen. Am stärksten traf es nach Angaben des DWD bis zum Nachmittag die Region Greiz, wo innerhalb einer Stunde schätzungsweise etwa 25 Liter Regen pro Quadratmeter niedergingen. Vereinzelt habe es auch kleinkörnigen Hagel gegeben. In den übrigen Landesteilen sei die Situation entspannter gewesen. Vor allem für Ostthüringen war vor schwerem Gewitter der Stufe 3 gewarnt worden. Am Nachmittag wurde die Warnung dann aufgehoben, es galten nur noch Unwetterwarnungen der Stufe 2. Auch am Sonntag soll es bei Temperaturen von bis zu 25 Grad den ganzen Tag über zu Schauern und Gewittern mit Starkregen und Hagel kommen.

In Niedersachsen bleibt es schwül - nur örtlich Starkregen

In Niedersachsen gab es örtlich heftigen Regen, es blieb ansonsten aber weitestgehend schwül und warm, ohne dass es regnete. „Der Regen war nicht ohne“, sagte ein Polizeisprecher in Salzgitter über das Wetter nachmittags zwischen Peine und Salzgitter. Es sei aber nach ersten Erkenntnissen nichts Außergewöhnliches passiert.

Auch nördlich von Osnabrück gewitterte es kurz, aber heftig. Es habe einige Sekunden lang gehagelt, sagte eine Polizeisprecherin in Bersenbrück. Schon mittags gerieten Orte im Landkreis Harburg unter kräftige Gewitter mit Regen, die dann weiter nach Osten zogen. Auch für die Nacht und für Sonntag wurde im Nordwesten noch mit Gewitterschauern gerechnet. Die Temperatur sollte am Sonntag von 18 auf bis zu 24 Grad steigen.

Drei zentimeterdicke Hagelkörner

Von Südosten ziehen die Gewitter auf. Dazu werden Niederschlagsmengen zwischen 30 l/m² und 60 l/m² in kurzer Zeit erwartet sowie schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis 90 km/h (25m/s, 48kn, Bft 10) und Hagel mit Korngrößen um drei Zentimeter.

Für Berlin, den Osten Deutschlands, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gilt teilweise die zweithöchste Warnstufe. Hier warnt der DWD vor schwerem Gewitter, heftigem Starkregen und Hagel.

Angesichts der düsteren Wetterprognosen blieben selbst bei Temperaturen von bis zu 24 Grad die bei Kurzurlaubern sonst so beliebten Ostseestrände in Travemünde, Timmendorf oder Scharbeutz am Samstag weitestgehend leer. An den Küsten hatte der Seewetterdienst Hamburg sturmartige Windböen mit bis zu 88 km/h vorhergesagt.

Höchste Unwetterstufe: Auch Sonntag wird es ungemütlich

Schon am Freitag hatte der Wetterdienst die höchste Unwettergefahr für einen breiten Streifen „von Niedersachsen/südliches Schleswig-Holstein nach Osten und Südosten über Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Nordhessen bis nach Nordbayern“ prognostiziert. Sogar mehr als 50 Liter pro Quadratmeter seien möglich. „Zudem sind lokal größere Hagelansammlungen und örtlich schwere Sturmböen zu erwarten“, erklärte der Wetterdienst.

Auch am Sonntag wird es zu Unwettern kommen. Dann sind Gebiete von Niedersachsen und Ostwestfalen über die zentralen und östlichen Mittelgebirge bis nach Bayern bis ins östliche Baden-Württemberg betroffen.

In der Nacht zum Montag ist vom Erzgebirge über die Mitte bis nach Niedersachsen und Westfalen weiter teils gewittriger Regen möglich. Die Temperaturen gehen auf 16 bis neun Grad zurück. Am Montag bleibt es vor allem in der Südwesthälfte wolkig mit einzelnen Schauern und kräftigen Gewittern.

Unwetter in Frankreich

Am Freitag hatten starke Unwetter bereits in anderen Teilen Europas für Verwüstungen gesorgt. Im Département Gard in Frankreich waren am Freitag Tausende Haushalte ohne Strom, es kam zu Erdrutschen.

Auf Korsika hatten tags zuvor Gewitter und Starkregen in der Inselhauptstadt Ajaccio zu chaotischen Zuständen geführt. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag berichtete, wurden annähernd 200 Menschen in Sicherheit gebracht. Ein Feuerwehrmann verletzte sich bei einem Sturz.

Die Polizei sperrte wegen der Regenfälle zeitweilig den Zugang zu der Hafenstadt. Bilder zeigten Autos, die von den Wassermassen weggeschwemmt wurden. Die Mittelmeerinsel Korsika gehört zu Frankreich und ist im Sommer bei Touristen beliebt.