"Herr der Türme" versalzt dem Winter kräftig die Suppe

von GeburekU

, 20.12.2007, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von Ulrike Geburek RECKLINGHAUSEN. Schön sehen sie aus. Und sie haben so etwas ungemein Beruhigendes an sich. Wenn der Winterdienstleiter der Stadtverwaltung, Ulrich Fietz, über die zwei Holz-Silos am Ende des neuen Zentralen Betriebshofes an der Herner Straße spricht, sieht er zufrieden aus. Sehr zufrieden.

Denn die Bäuche der Giganten sind gefüllt: mit 400 Tonnen Salz. Eis und Schnee können also ruhig kommen. "Doch zurzeit besteht keine Gefahr", sagt der Sachgebietsleiter Straßenunterhaltung und winkt ab, "es wird sogar wieder wärmer." Das verrät dem "Herrn des Streuguts" seit dem 1. November das Wetteramt in Essen, und zwar täglich um Punkt 11 Uhr per Fax.

Aber so richtig kamen Fietz und sein Team - bis zu 150 Fachkräfte aus den verschiedenen städtischen Bereichen - in diesem Jahr noch nicht zum Zuge. Gerade einmal an drei Tagen versalzten sie dem Winter die Suppe. Sieben behäbige Streufahrzeuge warten auf ihren Einsatz, machen Recklinghausen wieder sicher. Sei es bei überfrierender Nässe oder Schneefall. Und das in vier Dringlichkeitsstufen. In der vergangenen Saison benötigten die Experten dafür nur rund 60 Tonnen Salz. "Das war harmlos", erinnert sich auch der stellvertretende Winterdienstleiter, Edgar Schawinski.

Blicken wir noch weiter zurück: Rund 1000 Tonnen Salz verteilten die Männer indes 2004/2005 im Kampf gegen das Schnee-Chaos. Ein extremer Winter kann Fietz & Co. aber nicht schrecken, sind sie diesmal doch doppelt gut gerüstet. Denn auch in der alten Streusalzhalle am Bruchweg schlummert noch "Munition": etwa 200 Tonnen Salz. Zudem haben die "Wetterdienstler" weitere 150 Tonnen Bims-Splitt-Gemisch in petto. Den "Glätte-Killer" hat Fietz noch zum Sommerpreis für 30 die Tonne gekauft. Salz kostete fast das Doppelte.

Übrigens setzen die Fachleute fortan auf ein neues Verfahren: Sie nutzten den Umzug, um von trockenem Wintersalz auf Feuchtsalzstreuung umzustellen. Darum drängt sich hinter der riesigen Werkhalle ein dritter Tank zwischen den wuchtigen Silos. Der kleine Bruder ist mit salzhaltiger Sole gefüllt. Flüssigkeit und Salz vermengen sich auf einem Streuteller. Leise rieselt dann - nicht der Schnee - das "Wurfmaterial" über einen Trichter in den Wagen. Zwei der sieben Spezialfahrzeuge sind bereits umgerüstet. Der Rest folgt in den nächsten Wochen.

Ein Vorteil der Methode: Der Wind weht das beschwerte Salz nicht mehr an die Straßenränder. "Es hält viel besser auf dem Asphalt", weiß der Winterdienstleiter und schaut "seine" Türme zufrieden an.

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