Heiraten am Schloss: Nordkirchen lässt wieder Gäste bei Trauungen zu

dzCorona-Regeln

Viele Hochzeiten werden derzeit abgesagt, einige heiraten trotz Corona und zwar zu zweit. Gäste waren bislang bei Trauungen nicht erlaubt. Jetzt hat die Gemeinde die Regeln etwas gelockert.

Nordkirchen

, 21.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das schöne Kleid der Braut, eine Menge schick gekleideter Gäste, ein Sektempfang im Schlosshof - Hochzeiten am Schloss Nordkirchen sorgen bei Spaziergängern im April und Mai meist für viel Aufmerksamkeit. Am Wochenende waren sie dagegen kaum zu bemerken. Die Paare durften wegen der Corona-Pandemie keine Gäste mitbringen. Jetzt hat die Gemeinde aber die Regeln für standesamtliche Trauungen gelockert.

Zwei Trauungen gab es am Samstag (18. April) im Hochzeitstürmchen des Schlosses. Nach der ersten Trauung kam zunächst ein Kamerateam durch den Eingang, kurz danach das Brautpaar, ohne Begleitung und fast unbemerkt.

Tisch steht bei Trauungen jetzt längs

Auf die zweite Trauung wurden die Menschen im Schlosshof aufmerksam, weil aus der Richtung Trauzimmer eine Menge roter Herzchen in den Himmel aufstiegen. Auf das Ehepaar wartete eine Gruppe von Hochzeitsgästen, die in gebührendem Abstand auf der Brücke warteten, von wo aus sie auf den Hochzeitsturm schauen konnten.

Die Gemeinde Nordkirchen hat Vorkehrungen getroffen, um das Heiraten im Hochzeitstürmchen möglich zu machen und alle Beteiligten vor einer Ansteckung zu schützen. So wurde etwa der Tisch, an dem Brautpaar und Standesbeamter sitzen gedreht. Brautpaar und der Standesbeamte saßen an den Kopfenden. „Man muss dann schon ein bisschen lauter sprechen“, sagt Bürgermeister Dietmar Bergmann. Aber so war ausreichend Abstand gewährleistet ohne eine Plexiglasscheibe aufstellen zu müssen.

Stühle mit Abstand und nur wenige Gäste, kein Sekt

Mit den ersten vorsichtigen Lockerungen der Corona-Regeln am Montag, 20. April, hat nun auch die Gemeinde Nordkirchen die Regeln beim Heiraten etwas gelockert. Waren vorher nur das Brautpaar selbst und Trauzeugen zur Trauung zugelassen, dürfen nun wieder acht Personen teilnehmen - inklusive Brautpaar.

„Das ist zu vertreten“, sagt Rita Schlingmeier vom Standesamt der Gemeinde. Die Stühle stünden im Hochzeitstürmchen nun so, dass sie in jede Richtung 1,5 Meter Abstand zum nächsten haben. Ein Fotograf dürfe zusätzlich an der Tür stehen. „Wir haben auch ein Mittel da, um Hände und den Kugelschreiber zum Unterschrieben zu desinfizieren“, sagt Schlingmeier.

Nach der Trauung müssen Gäste und frisch gebackene Eheleute allerdings gleich wieder gehen. „Wir werden die Hochzeitsgesellschaften bitten, auf dem Weg zur Trauung Masken zu tragen“, sagt Dietmar Bergmann. Danach sei das Gelände dann zu verlassen. Einen Sektempfang am Schloss darf es nicht geben.

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Wirklich viele Paare wollen derzeit ohnehin nicht heiraten. Etwa die Hälfte der geplanten Hochzeiten im Türmchen werde derzeit abgesagt, sagt Rita Schlingmeier. Am ersten Mai etwa kämen von geplanten fünf Paaren nur zwei. Am 2. Mai fänden von geplanten sieben Trauungen wahrscheinlich nur zwei statt. Auch am 4. Mai findet von acht Trauungen wohl nur die Hälfte statt.

Viele Paare seien sich noch unsicher, wie sie mit ihrer lange geplanten Hochzeit weitermachen sollen. Die meisten sagen am Telefon, wenn sie wüssten, wann es besser würde, würden sie die Hochzeit verschieben, erzählt die Rita Schlingmeier. „Ich habe viele noch vertröstet“, sagt die Mitarbeiterin im Standesamt. Denn ab 4. Mai soll es neue Verordnungen geben.

Mit Abstand und aus der Ferne gratulierten einige Gäste dem Paar. Zur Trauung durften nur das Brautpaar und Trauzeugen ins Hochzeitstürmchen.

Mit Abstand und aus der Ferne gratulierten einige Gäste dem Paar. Zur Trauung durften nur das Brautpaar und Trauzeugen ins Hochzeitstürmchen. © Günther Goldstein

Doch auch Trauungen mit wenigen Gästen oder gleich zu zweit können eine schöne Atmosphäre haben, weiß Schlingmeier. Es kamen auch vor der Corona-Krise schon Paare ganz allein zur Trauung. „Ich fand das eigentlich ganz nett“, sagt Schlingmeier.

Das Paar aus Nordkirchen, das am Samstag den Bund fürs Leben geschlossen hat, hat die Glückwünsche der Gratulanten aus der Ferne entgegengenommen. Vor dem Schloss bestiegen die frisch gebackenen Eheleute einen geschmückten Geländewagen. Mit lautem Geschepper verkündeten die Dosen am Heck auf dem Weg aus dem Schloss: Platz da, hier kommt das Hochzeitspaar.

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