Hat ein Angeklagter Kinderpornos überreicht bekommen? Das Gericht wehrt sich gegen die Vorwürfe

dzProzess

Im Fall Marvin soll das Gericht dem Angeklagten Lars H. Kinderporno-Bilder überreicht haben. Das Landgericht wehrt sich gegen die Vorwürfe. Und erklärt die zur Verfügung gestellten Akten.

Bochum

, 22.07.2020, 18:51 Uhr / Lesedauer: 1 min

Unruhe im Prozess um den Fall Marvin: Das Bochumer Landgericht hat am Mittwoch Vorwürfe am Umgang mit vermeintlich zuletzt an den Angeklagten Lars H. aus Recklinghausen überreichten Kinderporno-Bildern zurückgewiesen.

Nach einem Medienbericht sollen dem 45-Jährigen im Anschluss an den letzten Verhandlungstag vor der Sommerpause angeblich Akten mit kinderpornografischen Bildern mit in das Gefängnis gegeben worden sein. Richtig ist: Alle Prozessbeteiligten haben am 9. Juli einen umfangreichen Stapel mit DIN-A4-Kopien, unter anderem bestehend aus einem polizeilichen „Extraktionsbericht“ mit der Auflistung der bei Lars H. auf Speichermedien sichergestellten Bild-Dateien, überreicht bekommen. Auch der Angeklagte. Die Kopien waren anlässlich des sogenannten „Selbstleseverfahrens“ übergeben worden.

Bilder „an den entscheidenden Stellen geschwärzt“

Laut Gericht sind auf den zuletzt notwendigerweise auch dem Angeklagten überreichten Kopien die in Form von daumennagelgroßen Mini-Bildern („Thumbnails“) abgedruckten pornografischen Szenen aber extra „an den entscheidenden Stellen geschwärzt worden“, so Landgerichtssprecher Michael Rehaag. Von zur Verfügung gestellter Kinderpornographie könne deshalb gar keine Rede sein. Außerdem legt das Gericht Wert darauf, dass der Angeklagte die Unterlagen auch nicht dauerhaft behalten soll. „Sie sind nach Abschluss des Selbstleseverfahrens zurückzugeben“, erklärte der Gerichtssprecher weiter.

Der wegen Kinderporno-Besitzes vorbestrafte und vor Gericht schweigende Lars H. soll den anfangs 13-jährigen Marvin jahrelang in seiner Wohnung im Süden von Recklinghausen versteckt, mit Geld und Zigaretten belohnt und hundertfach sexuell missbraucht zu haben. Entdeckt wurde Marvin Ende 2019 zufällig bei einer Kinderporno-Razzia in einem Kleiderschrank. Der Prozess wird am 10. August fortgesetzt.

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