Hat die Stadt Bocholt heimlich einen Gartenteich leergepumpt?

dzBaumaßnahme

Ein Naturteich in Mussum führt kaum Wasser, seit in der Nähe ein neues Pumpwerk gebaut wird. Die Besitzerin vermutet, dass die Baustelle dem Teich das Wasser entzieht. Kann das stimmen?

von Jochen Krühler

Bocholt

, 22.10.2020, 11:06 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich sollte im großen Teich im Garten von Herta Uplegger und Josefa Niehaus das Wasser bis an den Rand der Böschung stehen. Doch in diesem Herbst ist etwas anders: Das Wasser fehlt. Das 2000 Quadratmeter große Gewässer am Enkhook in Mussum ist teilweise leer, an anderer Stelle steht das Wasser gerade noch 40 bis 50 Zentimeter hoch. Die beiden Frauen sind überzeugt: Schuld ist die Baustelle für das neue Pumpwerk der Erweiterung des Industrieparks.

Die liegt rund 300 Meter weiter südlich. Dort baut der Entsorgungs- und Servicebetrieb (ESB) der Stadt das neue Pumpwerk, und für die Baugrube wird derzeit das Grundwasser abgesenkt. Herta Uplegger und Josefa Niehaus glauben, dass dort das Wasser abgepumpt wird, das ihrem Teich jetzt fehlt.

Entsorgungs- und Servicebetrieb streitet Vorwurf ab

Der ESB wiederum bestreitet das. Die ausführende Baufirma habe berechnet, dass sich die Grundwasserabsenkung nur auf einen Radius von 78 Metern auswirke, teilt ESB-Leiter Heinz Welberg auf BBV-Anfrage mit. Die Baustelle könne daher keine Auswirkungen auf den Teich in 300 Metern Entfernung haben. Er geht davon aus, dass das Grundwasser am Teich wegen der drei trockenen Sommer in Folge so niedrig steht.

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„Das ist noch nie so gewesen“, sagt dagegen Herta Uplegger und blickt auf das restliche Wasser, das an der tiefsten Stelle gerade noch kniehoch im Teich steht. Die heute 95-Jährige hatte den Naturteich 1976 mit ihrem Mann anlegen lassen. Naturteich heißt in diesem Fall: Es gibt keine Folie, der Teich speist sich aus dem Grundwasser.

Wasserstand sinkt einfach wieder

„Vor ein paar Wochen haben wir festgestellt, dass der Wasserstand sinkt“, berichtet Uplegger. „Das ging ganz schnell“, ergänzt Josefa Niehaus, die mit ihr im Haus wohnt. Die beiden Frauen zogen Josefas Bruder Bernhard Niehaus hinzu, der sich mit dem ESB in Verbindung setzte. Gemeinsam wurde beschlossen, einen benachbarten Bauern zu bitten, mit einem Schlauch den Teich wieder aufzufüllen. „Der hat 65 Stunden lang gepumpt, daraufhin ist der Wasserstand wieder um 27 Zentimeter gestiegen“, erzählt Bernhard Niehaus. „Aber dann nach 48 Stunden war das ganze Wasser wieder weg.“

Herta Uplegger sorgt sich jetzt zum einen um die Böschung ihres Teiches, die an einer Stelle bereits abgebrochen sei. Zum anderen sorgt sie sich um die Karpfen und Schildkröten, die im Gewässer leben. Und dann sind da noch die rund 200 Bäume auf ihrem Grundstück, darunter eine etwa 250 Jahre alte Linde. Auch die könnten Schaden nehmen, da sie doch jetzt eigentlich viel Wasser ziehen müssten, sagt Bernhard Niehaus. Und Herta Uplegger ergänzt: „Mit dem Wasser lebt doch hier alles – auch die Bäume.“

Keine Zusammenhänge?

ESB-Leiter Heinz Welberg verweist auf eine Überprüfung, die der Kreis Borken als Untere Wasserbehörde durchgeführt habe. Die habe ergeben, dass der austrocknende Teich und möglicher Trockenheitsstress von Bäumen aus wasserwirtschaftlicher Sicht nicht unmittelbar auf die Bautätigkeit des ESB zurückzuführen seien.


Ursache sei vielmehr, dass der Grundwasserstand derzeit allgemein sehr niedrig sei. Und das liege am großen Niederschlagsdefizit, wodurch sich weniger Grundwasser neu bilden konnte. An einer Grundwasser-Messstelle, die weniger als 300 Meter von der Baustelle entfernt liegt, sei am 5. Oktober festgestellt worden, dass die Grundwasserabsenkung keinen signifikanten Einfluss gehabt habe.

Zeitlicher Zusammenhang fällt auf

Uplegger und Niehaus hatten unterdessen Ratsfrau Monika Ludwig von den Grünen um Hilfe gebeten. Ludwig glaubt nicht, dass die Trockenheit der vergangenen Jahre die Ursache ist. „Die behaupten das einfach“, sagt sie. Sie habe den Teich noch im Sommer gesehen. „Da war der noch voll.“

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Auffällig ist zumindest ein zeitlicher Zusammenhang: An der Baustelle wird laut ESB seit der zweiten Septemberwoche das Grundwasser abgesenkt. In der ersten Oktoberwoche habe sie den sinkenden Wasserstand bemerkt, sagt Josefa Niehaus.

Bernhard Niehaus hatte vorgeschlagen, der ESB könne doch einen Schlauch von der Baustelle bis zum Teich legen und das abgepumpte Wasser direkt dort einleiten. Doch das lehnt der ESB ab, da er sich nicht als Urheber des Teich-Problems sieht. Ende nächster Woche will der ESB das Grundwasser an der Baustelle jedenfalls nicht mehr absenken. Dann sollen die Seitenwände des Pumpwerks fertig sein.

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