Hamiltons Nackte in Bielefeld

BIELEFELD Seine 86 Jahre sieht man Richard Hamilton, der als Vater der britischen Pop Art bezeichnet wird, nun wirklich nicht an. Indes hat er an Esprit, Neugierde und Unternehmungsgeist nichts eingebüßt.

von Von Markus Weckesser

, 21.07.2008, 18:06 Uhr / Lesedauer: 1 min

Virtuellen, also am Computer komponierten Räumen ist eine Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld gewidmet. Knapp 80 Werkbeispiele aus den vergangenen 15 Jahren geben Aufschluss, wie der gebürtige Londoner seine Bilder konstruiert. Nach einer klassischen Ausbildung als Maler war Richard Hamilton zunächst als Industriedesigner und Dozent für Gestaltung tätig.

Virtuellen, also am Computer komponierten Räumen ist eine Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld gewidmet. Knapp 80 Werkbeispiele aus den vergangenen 15 Jahren geben Aufschluss, wie der gebürtige Londoner seine Bilder konstruiert. Nach einer klassischen Ausbildung als Maler war Richard Hamilton zunächst als Industriedesigner und Dozent für Gestaltung tätig.

Werbung und Konsum

Erst seine Beteiligung an der wegweisenden Ausstellung "This is Tomorrow" (1956) begründet seinen Ruhm.

In seiner Collage "Just what is it that makes today's homes so different, so appealing?" ("Was macht die Wohnungen von heute nur so anders, so ansprechend?") thematisiert er erstmals Konsum, Lifestyle, Werbung und Medien. Seit den 80er Jahren setzt Hamilton auch digitale Technik ein.

Von vielen der ausgestellten Werke sind gleich mehrere Variationen zu sehen. Bei der Abbildung eines japanischen Brautpaares änderte Hamilton abwechselnd Hintergrund, Farben, Muster und Abstand der Figuren. Denn nach seiner Ansicht ist die Arbeit an einem Bild nie ganz abgeschlossen. Jedes Werk ist für ihn grundsätzlich verbesserungswürdig. Neben Fragen von Perspektive und Bewegung sind seine Arbeiten von der schöpferischen Auseinandersetzung mit erklärten Vorbildern wie Diego Velasquez und Marcel Duchamp geprägt.Kitsch und Anspruch

Nicht immer gelingt ihm das überzeugend. Angelehnt an eine Verkündigungsszene von Fra Angelico zeigt Richard Hamilton einen weiblichen Engel, der vor einer unbekleideten Figur landet. Dabei wirkt die Bewegung von Flügeln und Spielbein, als hätte ein Sextaner zum ersten Mal mit Photoshop experimentiert. Überhaupt will kein Versatzstück zu anderen passen.

Richard Hamiltons bisheriges Schaffen in allen Ehren, doch in seinen jüngsten Werken dominiert Kitsch über den Anspruch. Markus Weckesser

Richard Hamilton: "Virtuelle Räume", Kunsthalle Bielefeld, Artur-Ladebeck-Straße 5, bis 10.8, Di, Do, Fr 11-18 Uhr, Mi 11-22 Uhr, Sa 10-18 Uhr, Katalog 17 Euro.

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