Grippeschutzimpfung für (fast) alle: Reichen die Impfstoff-Kapazitäten?

Coronavirus

In der Corona-Pandemie fordern Ärzte und Politiker, möglichst breite Bevölkerungsschichten gegen Grippe zu impfen. Doch die Impfkommission warnt, dass der verfügbare Impfstoff dafür derzeit nicht reicht.

Berlin

01.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wird der Grippeimpfstoff in diesem Jahr knapp?

Wird der Grippeimpfstoff in diesem Jahr knapp? © picture-alliance/ dpa

Mit dem Herbst kommt die Grippesaison. In Zeiten von Corona könnte das ganz neue Probleme mit sich bringen. So warnt Ärztepräsident Klaus Reinhardt: „Wir müssen eine Überlastung von Praxen und Kliniken durch Corona und Influenza unbedingt vermeiden.“ Ganz besonders wichtig sei deshalb in diesem Jahr die Influenza-Impfung.

Vorgeprescht war bereits der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Johannes Hübner, der allen Eltern empfiehlt, ihre Kinder gegen Grippe impfen zu lassen, weil diese den Influenza-Virus maßgeblich übertragen. Der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hält das nicht für zielführend - und will stattdessen möglichst viele Erwachsene gegen Grippe impfen. Doch reicht dafür überhaupt der verfügbare Impfstoff?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) warnt in einer Stellungnahme vor einem Engpass: „Durch eine Ausweitung der Impfempfehlung auf die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland könnte es zu einer Unterversorgung der Risikogruppen kommen, die besonders von der Impfung profitieren würden und durch deren Impfschutz man das Gesundheitssystem besonders entlasten möchte.“

Risikogruppen sollten zuerst geimpft werden

Die Stiko empfiehlt deshalb, vorrangig Menschen zu impfen, „die ein besonders hohes Risiko für schwere Verläufe einer Influenza haben“. Dazu zählen Menschen ab 60 Jahren und chronisch Erkrankte. Außerdem empfiehlt die Kommission eine Impfung für ärztliches und pflegerisches Personal, sowie andere Mitarbeiter im Gesundheitswesen, Schwangere und Bewohner in Alters- oder Pflegeheimen.

Das Problem: Würden all diese Menschen vollständig geimpft, wären laut Stiko 40 Millionen Dosen Influenzaimpfstoff notwendig. Nach Kenntnissen der Kommission werden für die kommende Grippesaison aber nur rund 25 Millionen Impfdosen verfügbar sein - inklusive der vom Bundesministerium für Gesundheit beschafften nationalen Reserve.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach mahnt vor diesem Hintergrund: „Wir brauchen dringend zusätzlichen Impfstoff.“ Unterstützung bekommt er von Ärztepräsident Reinhardt: „Hersteller und Politik müssen dafür sorgen, dass es ausreichende Produktionskapazitäten und auch geeignetes Zubehör wie Spritzen und Kanülen gibt. Wir können uns jetzt keine neuen Lieferengpässe erlauben.“ Schon in den vergangenen Jahren war der Grippeimpfstoff zeitweise knapp geworden - besonders drastisch war die Situation 2018.

RND

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