„Gönn dir!“: Wie die CDU-Chefin bei Instagram „fresh“ sein will

Politik

Mithilfe der sozialen Medien möchte die CDU mehr junge Wähler erreichen. Ein Weg, den die Union nun bei Instagram einschlägt, wird in sozialen Medien kontrovers diskutiert.

Berlin

25.06.2020, 17:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Annegret Kramp-Karrenbauer ist Parteichefin der CDU.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist Parteichefin der CDU. © picture alliance/dpa

Die Wahlergebnisse der letzten Jahre zeigen, dass die meisten Wähler der CDU zur älteren Generation gehören. Um die Partei nun auch für jüngere Wähler attraktiver zu machen, spricht CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer in ihrer Instagram-Story vor allem die unter 30-Jährigen an. „Manche finden die CDU ja etwas altbacken“, lauten ihre ersten Worte in einem Video, „aber wir sind doch ziemlich jung geblieben.“

Um dieses Statement zu unterstreichen, wird das Video untertitelt – und zwar in vermeintlicher Jugendsprache. Während AKK in klassischer Manier für einen Film über den 75. Geburtstag der Partei wirbt, erscheinen im Untertitel Sätze wie: „Yo Leute. Ihr denkt, die CDU ist old-school. Aber wir sind fresher denn je. Am 26. Juni reißen wir die 75 Jahre (…). Swipe up zum nicen Geburtstagsfilm. Gönn dir!“

CDU erntet Spott bei Twitter

Die Meinungen der Betrachter gehen in den sozialen Medien weit auseinander und schwanken zwischen Fremdscham und Beifallsbekundung. Ein Nutzer teilt eine Aufnahme der Instagram-Story mit den Worten „Das haben sie wirklich eins zu eins so hochgeladen. Es ist alles noch schlimmer als gedacht …“

Politikberater Martin Fuchs sieht das ähnlich. Er schreibt zu Screenshots des Videos: „Eine Grundregel in der politischen Kommunikation: Wanze dich nie mit sogenannter ‚Jugendsprache‘ an #diesejungenleute ran – auch nicht in Insta-Stories. Nie!“

„Der Untertitel in Jugendsprache ist Selbstironie“

Unter dem Beitrag von Fuchs wird das Video ebenfalls heiß diskutiert. Auch Kramp-Karrenbauers persönlicher Referent Boris Binkowska äußert sich zu dem Video und betont den Kontrast zwischen Untertiteln und den gesprochenen Worten: „Yo Martin, die ‚Jugendsprache‘ ist im Untertitel bewusst überzogen und steht im Kontrast zum Gesagten (Ton an!). Ich werte das eher als Selbstironie.“

Doch damit kann Binkowska nicht alle überzeugen. Der Politikwissenschaftler Constantin Wurthmann bezweifelt, dass diese Selbstironie von der Zielgruppe des Videos erkannt wird: „Problem ist aber, dass nicht jede/-r Zuschauer/-in das als Selbstironie sieht. Wenn man selber aus dem Unionsmilieu kommt, kann man das vielleicht so verstehen, nur eben nicht, wenn man eine emotionale Distanz empfindet. Das trifft für die meisten Erstwähler derzeit zu.“

Die CDU-Chefin bekommt jedoch auch überraschenden Zuspruch – und das von der politischen Gegnerin Lilly Blaudszun. Das 19-jährige SPD-Mitglied schreibt bei Twitter: „Als Teil von #diesejungenleute: musste total lachen und find’s gelungen, so neue Wege zu gehen.“

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