Getreideernte beginnt: Der Regen kam für die Gerste zu spät

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Etwas früher als sonst startet nun im Kreis Borken flächendeckend die Getreideernte. Das berichtet der Kreisverband Borken des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV).

von Hans Georg Knapp

Kreis

, 04.07.2020, 17:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die erste und vom Anteil her wichtigste Ackerkultur, die gedroschen werde, sei die Wintergerste. Sie sei im Herbst gesät worden und wachse kreisweit auf 7,7 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen, berichtet der WLV-Kreisverband.

Die Gerstenernte beginne etwas früher als gewöhnlich und erfolge zuerst an Standorten mit leichteren Böden und geringeren Niederschlagsmengen. So berichtet Martin Finke von der Borkener Kreisstelle der Landwirtschaftskammer NRW. Das sommerlich-schöne Wetter der vergangenen Tage habe die Abreife der Gerste nochmals beschleunigt, erklärt der Pflanzenbauberater.

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Die Schere bei den Erträgen, die zu erwarten seien, gehe allerdings wieder weit auseinander. Finke blickt zurück: Im Nordkreis rund um Ahaus habe es vor allem an den regenreichen Tagen Anfang Juni deutlich höhere Niederschlagsmengen gegeben als im Südkreis rund um Borken.

Regen kam für die Gerste zu spät

Der Regen der vergangenen Wochen sei für die Gerste nach dem trockenen Frühling in der Regel zu spät gekommen, bedauert Kreisverbandsvorsitzender Ludger Schulze Beiering aus Weseke. Genutzt habe der Niederschlag vor allem dem Weizen am Anfang der Kornfüllungsphase, aber auch Triticale und Roggen. Um den Mais macht sich der Borkener derzeit am wenigsten Sorgen: „Dem konnte man nach dem jüngsten Regen förmlich beim Wachsen zusehen.“

Wie es weiter heißt, beobachteten die Pflanzenbauexperten der Kammer bei den hiesigen Bauern ein Umdenken, das unter dem Eindruck der zurückliegenden Dürrejahre stehe: Zunehmend achteten die Landwirte darauf, Wasser zu sparen, sagt Martin Finke. Er stellt fest: „Viele haben auf Mulchsaatverfahren gesetzt und auf das Pflügen verzichtet.“

Zudem hat sich nach Auswertungen der Landwirtschafskammer im Kreis Borken der Anteil des Roggens als trockentolerantere Getreideart in den vergangenen drei Jahren fast verdreifacht. Habe ihr Anteil 2018 noch bei 2,1 Prozent der Anbaufläche gelegen, weise die Kammer-Statistik für 2020 einen Anteil von 5,7 Prozent aus.

Milchviehbetriebe haben Sorgen

Am meisten sorgten sich derzeit die Milchviehbetriebe um die Ernte, berichtet der WLV. Der erste Grasschnitt sei vielfach noch einigermaßen in Ordnung gewesen, doch der zweite habe schon deutlich weniger gebracht, sagt Finke. Er urteilt: „Die geringeren Erträge kommen zur Unzeit. Die Betriebe konnten in den beiden Vorjahren nur unzureichend Futtervorräte aufbauen.“

Der WLV weist darauf hin, dass mit dem Erntebeginn ein erhöhtes Verkehrsaufkommen großer landwirtschaftlicher Maschinen verbunden sei. Daher appelliert Ludger Schulze Beiering an alle Verkehrsteilnehmer, sich umsichtig zu verhalten und aufeinander Rücksicht zu nehmen. Damit schließe er seine Berufskollegen und Lohnunternehmer mit ein.

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Ernten könne man nur bei möglichst trockenem Wetter, betont Schulze Beiering – „deshalb sind wir in dieser Zeit auch an Sonn- und Feiertagen und bis in die Abendstunden unterwegs. Genau zu diesen Zeiten lockt es aber auch alle anderen auf die Straßen.“ Das könne zu gefährlichen Situationen führen, warnt er.

„Miteinander reden – sicher ankommen“, laute daher das Motto einer neuen bundesweiten Verkehrssicherheitskampagne, schreibt der WLV. Hierbei werben Bundesverband Lohnunternehmen, Bundesverband der Maschinenringe und Deutscher Bauernverband mit Erklärvideos, Infotexten und Bildern für mehr Rücksicht und Fairness.

In den sozialen Medien läuft die Kampagne unter dem Hashtag #agrar FAIRkehr.

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