Gescheiterte Lebensentwürfe in "Wir lieben und wissen nichts"

Festival Stücke

Selbstoptimierer und -verweigerer treffen in Moritz Rinkes Beziehungskomödie "Wir lieben und wissen nichts" aufeinander und scheitern alle an ihren Liebes- und Arbeitskonzepten. Das konventionell-gebaute Vier-Personen-Stück haben bereits sieben Theaterhäuser auf die Bühne gebracht. Bei den Ruhrfestpielen ist ab Sonntag (26.5.) die Uraufführungsinszenierung aus Frankfurt zu sehen.

MÜLHEIM

von Von Britta Helmbold

, 21.05.2013, 15:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wohnungstauscher Magdalena (Sophie Hottinger) und Sebastian (Christian Kerepeszki).

Wohnungstauscher Magdalena (Sophie Hottinger) und Sebastian (Christian Kerepeszki).

Die Jury der Mülheimer Theatertage "Stücke" hatte sich für die recht zähe Variante von Regisseur Mathias Schönsee aus Bern entschieden, die jetzt im Ringlokschuppen gezeigt wurde.Atemkurse für Banker

Ein Wohnungstausch bringt zwei Paare zusammen, lässt sie überkreuz miteinander anbandeln und ihre Geheimnisse preisgeben. Da ist die Arbeitsnomadin Hannah, die Atemkurse für Banker gibt, sich den Anforderungen im Kapitalismus stellt und auch die Kindszeugung wie einen Termin in ihr durchgeplantes Leben quetscht. Allerdings spielt ihr Schluffi-Freund Sebastian nicht mit, ein Verweigerer - beruflich und sexuell -, der sein Versagen mit Kritik an den Verhältnissen zu verschleiern sucht.Tiertherapeutin mit Alkoholproblem

Dieses Akademikerpärchen trifft nun auf den technikaffinen Roman, der ebenfalls den Ansprüchen der modernen Arbeitswelt genügen möchte und seine Entlassung nicht zur Kenntnis nimmt.Im Schlepptau seine Frau, eine Tiertherapeutin mit Alkoholproblem. Die Situation eskaliert als das Passwort für den Internetzugang nicht aufgetrieben werden kann... - am Ende bleiben diese Verdrängungskünsler als einsam Verzweifelte zurück.Ein ruhiger Fluss

Regisseur Schönsee nimmt die Figuren sehr ernst, scheint Rinkes Stück das Boulevardeske austreiben zu wollen, setzt mehr auf Tragik als auf Komik. So lässt er sein Mimen-Quartett den pointenstarken Text verspielen und die eigentlich munteren Dialoge plätschern dahin wie ein ruhiger Fluss.

 

 

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