Gemeinsam in den Abgrund

"Clyde und Bonnie"

HAGEN. Bonnie und ihr neuer Freund Clyde hatten beide eine schwere Kindheit. Nun sind sie beinahe erwachsen und ziemlich kaputte Typen. Bonnie ist eine zwanghafte Diebin, und Clyde hat seinen Hund zu Tode gequält - nicht, weil er generell ein Sadist wäre, sondern bloß, weil er den Verlust seines ersten Hundes nie verwunden hat. Bonnie kann das verstehen.

von Von Karsten Mark

, 23.01.2011, 14:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
<p>Jenna Schulz und Arne Obermeyer als Bonnie und Clyde in Hagen. <p></p> Kühle</p>

<p>Jenna Schulz und Arne Obermeyer als Bonnie und Clyde in Hagen. <p></p> Kühle</p>

Die beiden haben eine prima Idee, wie sie was aus ihrem Leben machen können: Banken überfallen und dann ab in die Sonne - oder gemeinsam in den Untergang wie einst ihre großen Vorbilder Bonnie und Clyde eben.Für Jugendliche

Ein "B-Movie" nennt der Österreicher Holger Schober sein Stück "Clyde und Bonnie" - für Jugendliche ab 15 Jahren. Caroline Nöding brachte es am Theater Hagen auf die junge Bühne "lutz". Die Regisseurin zeigt ein temporeiches, einstündiges Zwei-Personen-Stück. Die Jungschauspieler Jenna Schulz und Arne Obermeyer, beide zum ersten Mal in Hagen zu sehen, beweisen eine gute Kondition. Schon der Text ist eine echte Herausforderung. Denn Nöding lässt ihre Darsteller so sprechen, wie es Jugendliche auf der Straße täten - also sehr schnell und scheinbar schnodderig. Schulz und Obermeyer wirken dabei weitgehend natürlich.Widersprüchliche Charaktere

Allerdings werden bei der Sprache auch schnell die logischen Schwächen des Stücks deutlich. Für Jugendliche ohne Bildung und Perspektive sind die Figuren reichlich sprachgewandt und reflektieren geradezu messerscharf ihre eigene Situation. Damit es nicht zu sehr auffällt, hat Autor Schober die Dialoge mit allerlei Kraftausdrücken angereichert. Doch die kaschieren nur vorübergehend. Die Charaktere sind in sich widersprüchlich bis paradox.Viele Zitate

Immerhin sind ihm viele Dialoge recht unterhaltsam geraten. Clyde und Bonnie ziehen ihre Lebensweisheiten gern aus Filmen und Fernsehserien. Die eingebauten Zitate sind witzig, wenn man sie kennt. Dummerweise bedient sich der Mittdreißiger Schober vor allem Serien und Filmen aus seiner eigenen Jugend, die sein junges Publikum kaum noch kennen dürfte. Clyde und Bonnie steuern direkt in den Abgrund. Am Ende ist Schobers B-Movie vor allem ein Film noir.Termine: 25./ 27. 1., 2./8./9./ 24./ 25.2.; Karten: Tel. (0 23 31) 2 07 32 18.

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