Gefährliche Risse: Auch zu Pfingsten bleibt der alte Teil der Pankratius-Kirche gesperrt

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Zu Feiertagen öffnen die Kirchen besonders weit ihre Türen. Die Türen zum alten Teil der Südkirchener Kirche bleiben aber verschlossen - aus Sicherheitsgründen. Es gibt aber Hoffnung.

Südkirchen

, 06.06.2019 / Lesedauer: 3 min

An Pfingsten öffnen sich verschlossene Türen. Dieser Teil der biblischen Botschaft erfüllt sich nicht in Südkirchen. Rotweiße Ketten werden auch während der bevorstehenden Feiertage den Zugang zum 325 Jahre alten Gotteshaus versperren, wie Pfarrer Gregor Wolters bestätigt. Einen anderen Teil der christlichen Pfingstbotschaft sieht er aber schon jetzt erfüllt.

„Die Kirche ist zu sanieren, Gott sei Dank.“
Gregor Wolters, Pfarrer

Angst weicht Zuversicht. Das war so laut Überlieferung nicht nur vor mehr als 2000 Jahren bei den Jüngern Jesu, sondern das ist so auch heute bei den Verantwortlichen für die Südkirchener Kirche. Trotz der plötzlich aufgetretenen gefährlich tiefen Risse im Mauerwerk ist inzwischen klar: „Die Kirche ist zu sanieren“, sagt Wolter, und die Erleichterung ist ihm anzuhören.

Noch ist es zu früh für Freudenfeiern

Die Angst, dass die 1694 errichtete sogenannte „alte Kirche“ nicht mehr retten zu können, hat sich als unbegründet erwiesen - „Gott sei Dank“. Allerdings ist es für Freudenfeiern noch zu früh.

„Wir hoffen, dass Ende 2020 alles fertig sein wird.“
Stefan Lütke Brochtrup, Mitglied des Kirchenvorstandes

Denn noch müssen sich Kirchenbesucherinnen und -besucher gedulden. Auch Pfingsten 2020 werden die hölzernen Außentüren zum Kirchplatz und die gläsernen Zwischentüren zur neuen Kirche von 1976 verschlossen bleiben. Das steht schon heute fest. „Wir hoffen“, sagt Stefan Lütke Brochtrup vom Bauausschuss des Kirchenvorstandes, „dass Ende 2020 alles fertig sein wird.“ Frühestens.

Der Schuldige für die bedrohliche Schieflage der Kirche ist ausgemacht: der Sommerfrost. Vor einem Jahr war der Begriff noch weitgehend unbekannt. Inzwischen lässt er Wasserversorger, Stromversorger und Verantwortliche von Kirchengemeinden gleichermaßen stöhnen.

Der Schrecken von öffentlichen Versorgern und Kirchengemeinden

Das Prinzip ist einfach: Normalerweise ist der Boden in tiefen Regionen feucht. Der Rekordsommer 2018 hat ihn aber sogar in mehr als zwei Metern Tiefe austrocknen lassen. Wenn die Feuchtigkeit verschwindet, verdichtet sich der Boden - Hohlräume entstehen und Spannung baut sich auf. Sie lässt im schlimmsten Fall Rohre und Leitungen bersten - und bringt Jahrhunderte alte Fundamente zum Wanken.

Sommerfrost, auch eine Folge des Klimawandels, gehört seit Herbst vergangenen Jahres nicht nur zum Wortschatz vieler Südkirchener. Auch Werner, Herberner und Borker mussten sich mit dem Phänomen außeinandersetzen.

In Herbern fielen rund 30 an sich gesunde Linden auf dem Kirchplatz der Säge zum Opfer, um die angegriffene Kirche zu schützen. Werne muss mehr als 100.000 Euro für die Johannes-Kirche aufwenden, und in Bork, wo eigentlich nur Dacharbeiten geplant waren, galt es auch, Risse zu schließen.

Gefährliche Risse: Auch zu Pfingsten bleibt der alte Teil der Pankratius-Kirche gesperrt

Pankratius, ausgerechnet ein Eisheiliger, schmückt das Portal. Die Tür ist seit Herbst 2018 verschlossen - wegen der Folge von Sommerfrost. © Sylvia vom Hofe

In Südkirchen muss noch mehr getan werden. Eine Fachfirma werde im Herbst die Hohlräume im Untergrund verfüllen, sagt Stefan Lütke Brochtrup. Den Sommer, der verspricht, wieder rekordverdächtig zu werden, gelte es erst noch abzuwarten. Eine spezielle Füllmasse werde dafür benötigt, dass die Kirche nicht weiter absackt. Ein Anheben der Kirche sei laut Experten des Bistums nicht nötig. Auch so wird die Maßnahme teuer genug: vermutlich ein hoher sechsstelliger Betrag.

Neuer Anstrich, neuer Glanz: Vorfreude auf Fertigstellung

„Die Hauptsache ist, dass wir unsere alte Kirche wieder nutzen können“, so Pfarrer Wolters: für Feiern im kleineren Rahmen und Werktagsgottesdienste. „Zurzeit sind wir mit allem nebenan in der großen Kirche.“ Die Gemeinde kann sich darauf freuen, dass Ende nächsten Jahres nicht nur die Standfestigkeit wieder gegeben sein wird. Die dann innen komplett sanierte alte Kirche „wird wieder im neuen Glanz erscheinen“, verspricht Lütke Brochtrup.

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Alte und neue Kirche Die katholische Kirche St. Pankratius Südkirchen besteht aus zwei Teilen: der alten Kirche aus dem Jahr 1694 und der deutlich größeren neuen Kirche von 1967. 1996 fand eine umfassende Sanierung der alten Kirche statt. Seitdem zeigt sich die Außenfassade wieder in gefugtem Natursandstein. Im Chorraum der alten Kirche hängt das ehemalige Hofkreuz eines der ältesten Bauernhöfe Südkirchens, wie im 30 Cent teuren Kirchenführer nachzulesen ist: der bereits 1370 erwähnte Hof Schulze Wirling, heute Hügemann. Der Kirchturm ist noch älter als die Kirche. Er entstand um 1100 - nicht als Kirchturm, sondern als Wehrturm. Die Südkirchener Gemeinde hatte sich schon Anfang des 20. Jahrhunderts eine Erweiterung der zu klein gewordenen alten Kirche gewünscht. Das Geld war bereits zusammen, als die Inflation den Traum platzen ließ. Ab 1951 wurde erneut gesammelt.
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