Geberkonferenz: Deutschland stellt 525 Millionen Euro für Impfstoffentwicklung bereit

Coronavirus

Bei einer internationalen Online-Geberkonferenz sagen zahlreiche Staaten 7,5 Milliarden Euro für die Suche nach einem Impfstoff und Medikamenten gegen das Coronavirus zu - bei einem Land gibt es Ungewissheit.

Brüssel/Berlin

04.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bei einer Online-Geberkonferenz wird über die finanzielle Unterstützung bei der Herstellung eines Impfstoffes beraten.

Bei einer Online-Geberkonferenz wird über die finanzielle Unterstützung bei der Herstellung eines Impfstoffes beraten. © picture alliance/dpa

Im Kampf gegen das Coronavirus will eine globale Allianz die Suche nach Impfstoffen und Medikamenten beschleunigen und die Mittel dann allen Ländern auf der Welt zugänglich machen. Bei einer Online-Geberkonferenz wollte die EU dazu am Montag zunächst 7,5 Milliarden Euro von zahlreichen Staaten und Organisationen einsammeln.

Deutschland will davon 525 Millionen Euro zur Verfügung stellen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte als Organisatorin der Konferenz, noch niemals hätten sich so viele internationale Partner einem einzigen Ziel verpflichtet.

Geld für Anschubfinanzierung

Allerdings waren die USA bei der Geberkonferenz nicht vertreten. China schickte nur seinen Botschafter bei der EU. Das schürte Sorgen, diese Staaten könnten Alleingänge machen, wenn einmal ein Impfstoff gefunden ist.

Die am Montag zugesagten Finanzmittel sollen nach Meinung des Bündnisses in drei Bereiche aufgeteilt werden. In die Suche nach einem Impfstoff sollen vier Milliarden Euro fließen, die Entwicklung von Medikamenten soll mit zwei Milliarden Euro unterstützt werden, und in die Bereitstellung von mehr Corona-Tests sollen 1,5 Milliarden Euro gehen.

Das Geld soll als Anschubfinanzierung bei der Suche nach einem Impfstoff dienen. Die Massenproduktion eines Wirkstoffs dürfte ein Vielfaches der am Montag zugesagten Summe verschlingen. Nach Einschätzung von UN-Generalsekretär Antonio Guterres wird diese Anstrengung rund 40 Milliarden Euro kosten.

Sorgen wegen Abwesenheit der USA

Deutschland sagte in einem ersten Schritt 525 Millionen Euro zu. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer Stunde der Hoffnung: „Es werden allerdings noch mehr Anstrengungen nötig sein.“ Frankreich will die globale Allianz mit 500 Millionen Euro unterstützen, Kanada mit gut 780 Millionen Euro. Die EU-Kommission will eine Milliarde Euro mobilisieren.

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Ob die globale Antwort auf die Corona-Krise tatsächlich gelingt, ist unklar. Der gesundheitspolitische Sprecher der Europäischen Volkspartei warnte davor, dass etwa China und die USA einen Impfstoff zunächst nur für ihre eigenen Bevölkerungen verwenden könnten. „Da müssen wir höllisch aufpassen“, sagte Peter Liese (CDU) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Sollte US-Präsident Donald Trump daran denken, im Kampf gegen das Coronavirus auf „America First“ zu setzen, dann müsse die EU das rechtzeitig kontern, sagte Liese. Er brachte Zwangslizenzen zur Produktion von Wirkstoffen ohne ausdrückliche Genehmigung des Originalherstellers ins Gespräch. Auch könnten handelspolitische Maßnahmen wie Zölle eingesetzt werden, damit Alleingänge verhindert würden.

Hilfsorganisationen verlangen gerechte Verteilung

Entwicklungsorganisationen verlangten eine gerechte Verteilung eines Impfstoffs. „Es muss sichergestellt werden, dass jeder Mensch auf der Welt schnellstmöglich Zugang zu einem Corona-Impfstoff bekommt, egal wo er lebt. Alles andere würde viele Menschenleben weltweit kosten“, sagte Stephan Exo-Kreischer, Deutschland-Chef der Entwicklungsorganisation ONE. Er wies darauf hin, dass Entwicklungsländer normalerweise erst sieben Jahre später Zugang zu neu entwickelten Impfstoffen und Medikamenten hätten.

ONE forderte Deutschland und die EU-Staaten auf, einem sogenannten Patentpool beizutreten. Dieser Pool würde es demnach Entwicklern und Generikaherstellern ermöglichen, große Mengen von Covid-19-Medikamenten und Impfstoffen zum erschwinglichen Preis herzustellen: „Die Bundeskanzlerin hat selbst gesagt, dass ein neu entwickelter Impfstoff als globales Gut betrachtet werden muss und vor allem Länder in Afrika Unterstützung benötigen“, sagte er.

„Angela Merkel sollte nicht nur ambitionierte Finanzzusagen machen, damit das Finanzierungsziel von 7,5 Milliarden Euro erreicht wird. Sie sollte auch ankündigen, dass Deutschland einem ‚Patentpool‘ beitritt und andere Staaten dazu auffordern, dies auch zu tun.“

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Bei einem Patentpool geben Pharmafirmen oder Forscher ihre Patente umsonst oder gegen eine vergleichsweise geringe Lizenzgebühr frei. Sie können damit von anderen Firmen, etwa Generikaherstellern, genutzt werden. Ein ähnliches Verfahren wurde bei AIDS/HIV-Medikamenten genutzt, damit die Präparate auch für ärmere Länder erschwinglich sind.

Damir Fras, Tim Szent-Ivanyi/RND

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