Gasleitung in Südkirchen wurde bei ungenehmigten Brunnen-Bohrarbeiten beschädigt

dzGas-Unfall

Bei Bohrarbeiten auf einem Privatgrundstück in Südkirchen ist eine Erdgasfernleitung beschädigt worden. Damit nicht genug. Bereits im Vorfeld hat es offensichtlich Versäumnisse gegeben.

Nordkirchen

, 15.08.2019, 16:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das war knapp: Als Arbeiter am 25. Juni kurz vor 14 Uhr auf einem Grundstück an der Straße „Zum Schembach“ in Südkirchen nach Wasser gebohrt haben, ist es passiert. Die Arbeiter stoßen zwar nicht auf Grundwasser, treffen aber eine dicke Gas-Pipeline, die von Vreden über Südkirchen zur Verdichterstation nach Werne führt. Ein Fall, der zum Großeinsatz der Feuerwehr führte und viele Fragen aufwirft.

Helmut Roloff, Pressesprecher der Open Grid Europe GmbH mit Sitz in Essen, spricht auf unsere Anfrage Klartext. Und er gibt zugleich einen Hinweis darauf, warum der Vorfall nicht gemeldet worden ist und erst jetzt durch einen Zufall bekannt wurde: Die Brunnenbohrarbeiten „waren nicht angemeldet und nicht genehmigt.“ Genehmigt wären sie auch wohl niemals. „Sie haben in unmittelbarer Nähe unserer Erdgasleitung stattgefunden“.

Sperrzone rund um Einsatzstelle in Südkirchen eingerichtet

Tobias Heitkamp, Pressesprecher der Feuerwehr Nordkirchen beschreibt auf unsere Anfrage die Situation so: „Durch die Beschädigung der Erdgasleitung kam es zu einem Austritt des geruchlosen Gases in unbekannter Menge.“ Ein Großeinsatz für die Feuerwehr. 37 Einsatzkräfte aller drei Löschzüge rückten aus. Vor Ort war schnelles Handeln gefragt. „Da davon ausgegangen werden musste, dass sich ein entzündliches Gas-Luft-Gemisch gebildet hatte, mussten umliegende Gebäude evakuiert werden“, berichtet Tobias Heitkamp. Die Feuerwehr richtete deshalb eine Sperrzone im Radius von 100 Metern rund um die Einsatzstelle ein.

Feuerwehr sieht sich für Gaseinsatz „sehr gut ausgestattet“

Helmut Roloff sieht im Rückblick die Situation etwas entspannter: „Es trat nur eine begrenzte Gasmenge aus, da die Leitung zu diesem Zeitpunkt nicht mit dem vollen Betriebsdruck betreiben wurde und die Austrittsstelle sehr klein war. Für Bürger habe zudem keine Gefahr bestanden, „da die Leitung am Schadensort auf landwirtschaftlicher Fläche verläuft.“

Gleichwohl stellt sich die Frage, ob die Feuerwehr der Gemeinde Nordkirchen überhaupt auf eine derartige Lage vorbereitet ist? „Für den Ersteinsatz sind wir sehr gut ausgestattet“, sagt Tobias Heitkamp. So verfüge die Feuerwehr über ein Mehrgas-Messgerät und könne auch die Explosionsgrenze feststellen. Dennoch war die Feuerwehr auf Unterstützung angewiesen.

Lüdinghauser Wehr kommt mit Spezialfahrzeug

Der Kreis Coesfeld verfügt über einen ABC-Zug. Eine Teilkomponente ist in Lüdinghausen stationiert, sodass die Nordkirchener Wehr schnell unterstützt wurde mit einem Gerätewagen Gefahrengut. „Auf diesem Fahrzeug ist eine besondere Ausrüstung für Schadenslagen mit Gefahrstoffen vorhanden“, sagt Heitkamp. Dazu gehören auch spezielle Messgeräte. Gefordert war auch der Fernleitungsnetzbetreiber Open Grid Europe GmbH mit Sitz in Essen.

Er musste auch an anderen Stellen im Kreis Coesfeld und auch im Nachbarkreis Recklinghausen kontrolliert Gas ablassen, um die Leitung bei Südkirchen drucklos und damit gasfrei machen zu können.

„Bautätigkeiten sind anzumelden und müssen genehmigt werden“

„Gemeinsam führten die Feuerwehren Nordkirchen und Lüdinghausen sowie der Versorger Messungen an der Gasleitung durch, um die Konzentration des Gas-Luft-Gemisches zu kontrollieren“, berichtet der Feuerwehr-Pressesprecher. Um 19 Uhr war die Gefahr gebannt. Die letzten Kräfte der Feuerwehr konnten die Einsatzstelle verlassen.

Eigentlich hätte es aber nie zu einem derartigen Zwischenfall kommen dürfen. Helmut Roloff betont in einer schriftlichen Stellungnahme, dass „die Pipelines in einem Schutzstreifen - hier 10 Meter - liegen, der nicht bebaut werden darf. Bautätigkeiten in der Nähe der Trasse sind anzumelden und dürfen nur in Rücksprache mit dem Betreiber durchgeführt werden.“

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