Garten-Serie: Eine Nordkirchenerin umhäkelt die Bäume in ihrem Garten

dzRN-Sommerserie

Die Bäume im Garten von Josefa Lobeck aus Nordkirchen sehen besonders aus: Sie hat sie umhäkelt. Warum? Das lesen Sie in unserer Garten-Serie.

Nordkirchen

, 16.07.2020, 18:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Schubertstraße in Nordkirchen sind sie das, was man einen Eyecatcher nennt - ein Blickfang. Denn Bäume gibt es viele in den zu den Häusern dort gehörenden Gärten - keine aber, die so schön bunt sind wie die von Josefa Lobeck. Die 78-jährige Nordkirchenerin hat die Baumstämme, die in ihrem Garten stehen, umhäkelt.

Lila, grün, pink, schwarz, blau, weiß, rot, gelb: Bunte Ringe zieren die Stämme der Bäume. Lächelnd schaut Josefa Lobeck an ihnen hoch. Sie hat sich nach dem Aufruf der Ruhr Nachrichten gemeldet, bei der Sommerserie „Mein Garten“ mitzumachen. Denn ihrer ist definitiv etwas Besonderes: Nicht nur viele schöne Blüten schmücken die Beete rundum den Rasen. Immer zwischendurch hat Josefa Lobeck Gemüse angebaut. Salatköpfe aus dem Bilderbuch, eine ganze prächtige Reihe Margeriten - und eben immer mal wieder zwischendurch die besonderen, bunten Häkel-Details.

Die Eiche von Josefa Lobeck hat kein Problem mehr mit Prozessionsspinnern, seit sie den Häkelmantel trägt.

Die Eiche von Josefa Lobeck hat kein Problem mehr mit Prozessionsspinnern, seit sie den Häkelmantel trägt. © Marie Rademacher

Viele Menschen, so sagt es Josefa Lobeck, seien schon an ihren Bäumen, die von der Straße aus gut sichtbar sind, stehen geblieben und hätten sie auf die Handarbeiten angesprochen. Kein Wunder: Auf dem Land sieht man Kunst wie diese eigentlich eher selten.

In der Stadt ist das anders. Guerilla Knitting oder Urban Knitting nennt man es, wenn Stricker und Strickerinnen mit Wolle und Garn ein bisschen mehr Farbe ins Großstadtgrau bringen. Geheim und illegal - eine ganz besondere Form der Streetart.

Trend entstand in den USA

Der Ursprung für die Idee liegt in Amerika: Dort zumindest gab es 2005 die erste Vereinigung von Guerilla-Strickern. In Houston (Texas) verzierten sie zunächst vor allem Türklinken mit Wolle. Danach ging die Bewegung durch die Großstädte der Welt. In London zum Beispiel wurden ganze Telefonzellen eingestrickt. Die Intention dahinter ist zumeist: Dinge schöner zu machen, Menschen zum Lächeln zu bringen. In manchen Fällen steckt aber auch eine politische Valenz hinter den Strick- oder Häkelaktionen - dann oft mit feministischen Hintergrund.

Ein kleines Detail im Garten von Josefa Lobeck: Die Figur hat "echtes" Strickzeug in der Hand.

Ein kleines Detail im Garten von Josefa Lobeck: Die Figur hat "echtes" Strickzeug in der Hand. © Marie Rademacher

Josefa Lobeck habe, so erzählt sie im Gespräch mit der Redaktion, bei einem Aufenthalt in der Tagespflege in Lüdinghausen diese Art des Umhäkelns kennengelernt. „Und da habe ich gedacht, ich könnte das ja auch hier im Garten machen“, sagt sie und lacht. Seit einigen Jahren ist ihr blumenreicher Garten so um noch ein paar mehr Farben reicher.

Nicht nur die Blumen sind schön bunt im Garten von Josefa Lobeck.

Nicht nur die Blumen sind schön bunt im Garten von Josefa Lobeck. © Marie Rademacher

Und zumindest für die Eiche hat das auch einen ganz praktischen gärtnerischen Vorteil: die Eichenprozessionsspinnerraupen können durch den Baumpulli nicht den Stamm hinaufklettern. „Zumindest hatte ich keine Last damit, seit die Bäume so aussehen“, sagt Josefs Lobeck - und lächelt wieder. Einmal, so erzählt sie noch, lagen vor ihrer Haustür sogar schon Wollknäule. Ein Ansporn, um weiterzumachen mit dem Stricken - und dem Buntermachen und Zum-Lächeln-Bringen.

MITMACH-AKTION

Im Pandemie-Jahr 2020 werden viele Gärten in Selm, Lünen, Olfen und Nordkirchen zur Urlaubs-Alternative. Wie sieht Ihr Garten aus? Machen Sie mit bei unserer Serie und öffnen Sie uns Ihr Gartentor!

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