Forscher: Abiturprüfungen in NRW sind möglich – unter Bedingungen

Studie zu Coronavirus

Eine Studie in Heinsberg zeigt: Lockerungen der strikten Corona-Maßnahmen nach Ostern können sein. Auch Abiturprüfungen in NRW halten die Forscher für möglich. Aber sie formulieren Bedingungen.

NRW

09.04.2020, 15:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Professor Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn, mit eine Karte von Gangelt im Kreis Heinsberg. Streeck leitet die Studie in Heinsberg.

Professor Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn, mit eine Karte von Gangelt im Kreis Heinsberg. Streeck leitet die Studie in Heinsberg. © picture alliance/dpa

Forscher halten nach ersten Untersuchungen im besonders betroffenen Kreis Heinsberg eine beginnende Lockerung der strengen Coronavirus-Maßnahmen für möglich.

Voraussetzung sei aber, dass zum Beispiel Hygiene- und andere Verhaltensregeln weiterhin strikt befolgt würden. „Wir haben gelernt, wie wir uns hygienisch richtig verhalten“, sagte der Virologe Hendrik Streeck am Donnerstag in Düsseldorf. Es sei möglich, „in eine Phase zwei“ einzutreten.

Der Wissenschaftler von der Uni Bonn untersucht zusammen mit weiteren Experten, wie sich das Coronavirus im Kreis Heinsberg ausgebreitet hat. Ziel ist es unter anderem, herauszufinden, unter welchen Bedingungen die Corona-Einschränkungen gelockert werden könnten, etwa die Schulschließungen. Der Forschungsauftrag kam von der Landesregierung. Nun gibt es erste, vorläufige Zwischenergebnisse.

Jetzt lesen

Der an der Studie beteiligte Hygiene-Professor Martin Exner hält es für möglich, auch Abiturprüfungen abzuhalten, sofern zum Beispiel Hygiene-Maßnahmen eingehalten werden. Anders schätzt er die Lage in Alten- und Pflegeheimen ein. Dort müsse weiterhin eine „restriktive Politik“ aufrechterhalten werden. Es sei „nicht auszuschließen, dass eine längere Zeit der Abstinenz zu den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen aufrechterhalten werden muss.“

Für die Studie wird besonders die Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg untersucht. Der Ort gilt als Epizentrum der Coronavirus-Pandemie - der erste bestätigte Corona-Patient in NRW kommt von dort. Die Region hat damit bereits Entwicklungen durchgemacht, die in anderen Orten noch bevorstehen können. Das macht sie zu einem interessanten Studienobjekt. Auch flacht sich im Kreis die Kurve der Infektionszahlen bereits ab. „Der Kreis Heinsberg ist an einer riesengroßen Katastrophe vorbei geschlittert“, sagte Heinsbergs Landrat Stephan Pusch (CDU).

Die Wissenschaftler, die seit rund zwei Wochen forschen, fanden heraus, dass bei 15 Prozent der untersuchten Bürger eine Corona-Infektion nachgewiesen werden konnte. Teilweise mit milden Verläufen oder ganz ohne Symptome. Sie hätten eine Immunität entwickelt. Zum Vergleich: Am Tag, als die Studie gestartet wurde, waren im Kreis Heinsberg offiziell nur rund 1250 nachgewiesene Erkrankungen gezählt worden - bei rund 250 000 Einwohnern.

Sterbewahrscheinlichkeit deutlich gesunken

Die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu sterben, lag den vorläufigen Zahlen zufolge bei 0,37 Prozent bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten. Die in Deutschland derzeit von der amerikanischen Johns Hopkins University berechnete entsprechende Rate betrage 1,98 Prozent und liege damit um das Fünffache höher, so die Forscher.

Die Wissenschaftler unterstrichen aber, dass man deshalb nicht automatisch davon ausgehen könne, dass auch die Gesamtzahl der Infizierten in Deutschland fünfmal höher sei als angenommen. Für diese Abschätzung sei es noch zu früh.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte, die Studie sei „ein weiterer Baustein, der uns hilft, zu einer verantwortlichen Entscheidung zu kommen.“ Wie diese aussehe, werde in der kommenden Woche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder besprochen. „Die Wissenschaftler sagen uns nicht: Mach‘ es so oder so“, sagte Laschet. „Sondern sie geben uns einen weiteren Baustein an die Hand.“

Laschet: Behutsam zur Normalität

In einer Unterrichtung des Landtages zu den Zwischenergebnissen der Studie sprach sich Laschet wenig später dafür aus, das öffentliche Leben nach Ostern behutsam in eine „verantwortbare Normalität“ zurückzuführen. „Es wird nichts mehr sein wie vorher“, sagte er. „Aber es wird so viel wie möglich von unseren Freiheiten wieder entstehen - in neuer Rücksichtnahme, neuer Verantwortung und in Distanz.“

Lesen Sie jetzt

Die Soforthilfe des Landes für Selbstständige und Unternehmen wird zum Wirtschaftskrimi: Betrüger wollten sich offenbar durch einen Trick bereichern. Das Land NRW hat nun reagiert.

Lesen Sie jetzt