Flender: Will Siemens seine Tochter an einen Finanzinvestor verkaufen?

dzFlender in Bocholt

Verkauft der Mutterkonzern Siemens seine Tochter Flender jetzt doch an einen Finanzinvestor statt, wie angekündigt, das Bocholter Unternehmen an die Börse zu bringen? Das scheint nicht ausgeschlossen.

von Ludwig van der Linde

Bocholt

, 15.10.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet in dieser Woche, dass Siemens bald über einen möglichen milliardenschweren Verkauf seiner Getriebetochter entscheiden will. Der Münchner Technologiekonzern habe vier Finanzinvestoren aufgefordert, bis nächste Woche verbindliche Gebote für das Unternehmen aus Bocholt vorzulegen. Als Quelle gibt Reuters drei mit den Plänen vertraute Personen an.

Verkauf von Flender an einen Finanzinvestor geplant?

Weiter heißt es, dass Siemens für Flender zwischen 1,5 und 2 Milliarden Euro bekommen könnte. Als Favorit gelte Insidern zufolge der Finanzinvestor Triton, dem bereits der Panzer- und Schiffsgetriebe-Hersteller Renk gehört und der damit Synergien nutzen könnte. Aber auch drei andere Beteiligungsfirmen seien noch im Rennen.

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Für den Flender-Betriebsratsvorsitzenden Andreas Wendland kommt diese Nachricht nicht überraschend, wie er auf Anfrage des Bocholt-Borkener Volksblatts (BBV) erklärt. Er verweist auf eine Äußerung von Siemens-Chef Joe Kaeser Anfang August. Auf die Frage von Journalisten, ob es neben einem geplanten Börsengang auch noch weitere Optionen für Flender in Zukunft geben könnte, habe er geantwortet: „Wer eine bessere Idee für Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre zu haben glaubt, dem sind wir bereit zuzuhören.“

„Danach war mir vollkommen klar, dass spätestens jetzt alle Finanzinvestoren hellhörig geworden sind“, sagt Wendland. Schließlich sei Flender seit Jahren ein sehr erfolgreiches Unternehmen „und das auch jetzt in Zeiten einer Corona-Pandemie“. Das mache Flender für alle Finanzinvestoren sehr interessant, „denn die schwimmen bekanntlich im Geld und suchen händeringend gewinnbringende Investitionsobjekte“.

Betriebsrat im Zweifel „sehr gut vorbereitet“

Da Flender aber bereits in der Vergangenheit von 2000 bis 2005 Erfahrungen mit einem Finanzinvestor gemacht habe, „sind wir mit derartigen Geschäftsmodellen bereits vertraut und deshalb im Zweifel auch sehr gut vorbereitet“, sagt Wendland. Seit 2005 gehört Flender zu Siemens.

Weder die Geschäftsleitung von Flender noch von Siemens wollte sich am Donnerstag auf Anfrage des BBV zu der Reuters-Meldung äußern.

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