Familiäre Zerreißprobe mit George Clooney

Kino: "The Descendants"

"Wenn die Leute Hawaii hören, glauben sie, wir würden hier surfen und Mai Tai schlürfen. Als könne unser Leben nicht kaputt sein wie anderswo." Aus dem Off stimmt uns Matt King (George Clooney) auf das Drama einer Familie ein.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 19.01.2012, 17:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Matt King (George Clooney) und Tochter Alexandra (Shailene Woodley) raufen sich zusammen.

Matt King (George Clooney) und Tochter Alexandra (Shailene Woodley) raufen sich zusammen.

Es kommt knüppeldick für den Anwalt und Vater zweier Töchter. Kings Frau fällt nach einem Bootsunfall ins Koma. Die zehnjährige Tochter Scottie (Amara Miller) reagiert zickig und verstört. Ihre 17-jährige Schwester Alex (stark: Shailene Woodley) verrät dem Vater, warum sie auf die Mutter wütend ist: Die hatte nämlich einen Liebhaber. Es hagelt Schlag auf Schlag in Alexander Paynes "The Descendants", die Aufstellung tendiert zur Leinwand-Tragödie. Wer aber "Sideways" (2004) kennt, ein Road Movie mit Wein, Weib und (Blues-) Gesang, der weiß, dass Payne Kummer und Komik in eine schwebende Balance überführt.Schmerz und Frust So auch hier, wo eine Familie vor der Zerreißprobe steht. Tränen kullern, Schmutzwäsche wird gewaschen. Doch Schmerz und Frust behalten nicht die Oberhand. Je mehr sich die Kings berappeln, den drohenden Tod der Mutter akzeptieren, desto mehr entspannen sich die Familienbande. Kleine Kabbeleien erzählt Payne mit dem Zwinkern fein nuancierten Humors. So buchstabieren sich filigrane Tragikomödien!Ensemble glänzt Außerdem eint die Kings das Ziel, mit dem Liebhaber der Mutter ("Smiley" Matthew Lillard) ein Hühnchen zu rupfen. Sie reisen ihm nach, sie bekommen ihre Rache, fast ohne eigenes Zutun. Veredelt wird der Film von einem Ensemble, das noch in Nebenrollen glänzt: Robert Foster gibt den grantelnden Schwiegervater, Beau Bridges einen Cousin.

George Clooney, Shorts und Hawaiihemd, hat die meisten Großaufnahmen. Er tut nicht viel, fast unterspielt er die Rolle, die ihm den "Golden Globe" brachte. Aber was er zeigt, ist genau richtig für einen Vater, der sich vor den Töchtern nicht gehen lassen will. Ein Film, traurig, lustig, rührend wie das Leben selbst. Dazu ein Soundtrack wehmütiger hawaiianischer Balladen, große Tröster im Unglück.

 

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